Kanzlerkandidat der SPD : Schulz‘ Neffe ist "Germany’s next Bundeskanzler"

Julius Freund, Neffe von Martin Schulz, hat einen Titel in der Tasche, von dem sein Onkel noch entfernt ist: „Germany’s next Bundeskanzler".

Laura Weigele
Der Neffe von SPD-Kanzlerkandidat Martin Schulz ist "Germany's next Bundeskanzler"
Der Neffe von SPD-Kanzlerkandidat Martin Schulz ist "Germany's next Bundeskanzler"Foto: Bernd von Jutrczenka, dpa

„Ja!“ ruft Julius Freund, springt von seinem Hocker auf, läuft ins Publikum und küsst seine Freundin. Der Neffe von Martin Schulz hat soeben die Wahl zu Germany's next Bundeskanzler (GNBK) gewonnen. Schon im Voraus berichteten Medien über seine Verwandtschaft zum SPD-Kanzlerkandidaten. Gegenüber dem Kölner Stadtanzeiger sagte Freund, er sei stolz auf seinen Onkel und erlebe mit, wie es sei, ständig Termine zu haben und im Fokus der Presse zu stehen. „Man wird nur ernst genommen, wenn man durch Können überzeugt. Ich gehe meinen eigenen Weg“, sagte der 23-Jährige. Zudem sehe er das als Herausforderung und nur dadurch entwickle man sich weiter.

Dass Freund als Neffe des Kanzlerkandidaten teilnahm, ist Zufall: GNBK ist ein Format, das die „Jungen Unternehmer“ Anfang Juni ins Leben riefen. Die Interessensvertretung für junge Familien- und Eigentumsunternehmer wollte damit die Wahlbeteiligung der jungen Wähler steigern. Menschen im Alter von 18 bis 25 Jahren sollten sich einen eigenen Slogan überlegen und mussten drei Videos über sich drehen: Was ihre erste Amtshandlung als Kanzler wäre; die drei wichtigsten Dinge für die Kandidatur und ein Gespräch mit einem Politiker, mit dem der Bewerber seine Vision von Deutschland diskutiert. Über 100 junge Menschen beworben sich. Jeder konnte online abstimmen, die fünf Kandidaten mit den meisten Stimmen kamen nach Berlin ins „Kanzler-Camp“. Zu gewinnen gab es 10.000 Euro, eine Parteizugehörigkeit war nicht erforderlich.

Schulz' Neffe steht für die Energiewende

Im 90-minütigen Finale, das live bei Alex TV und im Internet übertragen wurde, mussten sich die Kandidaten verschiedenen Challenges stellen. In der Jury fühlten Ronja Kemmer, jüngstes Mitglied im Bundestag, Youtuber „LeFloyd“, Nikolaus Blome, stellvertretender Chefredakteur der „Bild“ und Johanna Strunz, stellvertretende Geschäftsführerin der „Jungen Unternehmer“, den Nachwuchspolitikern auf den Zahn: Die Kandidaten mussten einen Satz vervollständigen, den ein Jurymitglied aus einem Lostopf zog. Danach sollten die Finalisten Zitate zuordnen und sich zu Themen wie TTIP, Renteneintrittsalter und bedingungsloses Grundeinkommen positionieren. Abschließend hielt jeder für eine Minute ein Statement zu seiner Kandidatur.

Schulz‘ Neffe trat gegen drei Männer und eine Frau an. Alle fünf sind politisch in Jugendverbänden von Parteien, wie der Jungen Union oder den Jungen Liberalen organisiert. In seinem Bewerbungsvideo sagt Freund, er wolle die „Stimme der Jugend“ sein und stehe für die Energiewende. Die möchte das Jusos-Mitglied mit der Forschung von Speicherungsmedien, dem Ausbau der Netze und der Verbindlichkeit der Politik vorantreiben. In weiteren Diskussionen sprach er sich für das bedingungslose Grundeinkommen sowie eine Kopplung des Renteneintrittsalters an die Lebenserwartung und gegen TTIP aus.

Ob es im Wettkampf fair zuging, ist unklar: Der Geschäftsführer der „Jungen Unternehmer“ und somit das Jurymitglied des Finals ist Chef und Freund von Schulz‘ Neffe. Den Juryposten heute übernahm seine Stellvertreterin Strunz. Die „Welt“ berichtete über Manipulationen von Mitbewerbern, beispielsweise durch einen Kandidaten, der Ex-Praktikant bei den jungen Unternehmern gewesen sein soll. Dieser soll dadurch versucht haben, mehr Stimmen zu erhalten.

Es hätte besser sein können

Das Finale interessierte auf Facebook und Youtube nur wenige: Auf Youtube schauten maximal 20 Leute zu, auf Facebook waren es zu Bestzeiten knapp über 60. Auch die Resonanz mit Kommentaren war zurückhaltend. Immer wieder gab es technische Ausfälle, die Einspielung von Videos war chaotisch oder funktionierte oft nicht, meist streikte auch der Ton.

Die Themen, die junge Menschen direkt betreffen, kamen nur selten auf den Tisch: Oft ging es um Rente, TTIP und Klima. Durchaus wichtige Themen, jedoch für die junge Generation nicht unbedingt greifbar. Auch das Format erinnerte eher an eine Erwachsenentalkshow. Alle duzten sich und der Ton war überwiegend im Wohlfühlbereich, die Kandidaten hatten durchaus interessante Ansätze. Jedoch fehlten der Pepp und der Bezug auf junge Themen. Immerhin: Sollte es für Schulz am 24. September nichts werden, kann sein Neffe es vielleicht in ein paar Jahren versuchen…

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