Politik : Kanzlerkandidat der Union: CSU wirbt offiziell um Ja zu Stoiber

Robert von Rimscha / Peter Siebenmorgen

Die CSU erhöht den Druck auf die CDU, Edmund Stoiber als gemeinsamen Kanzlerkandidaten zu akzeptieren. Bei der CSU-Klausurtagung in Wildbad Kreuth sagte CSU-Landesgruppenchef Michael Glos, man werbe um die Zustimmung der CDU zu Stoiber. Stoiber habe als erfolgreicher bayerischer Regierungschef die größten Wahlchancen, sagte Glos. Unions-Fraktionschef Merz sagte dem Tagesspiegel, er begrüße die Festlegung aus Bayern. "Die CSU hat damit Klarheit geschaffen. Jetzt ist die CDU am Zug." Die CDU-Vorsitzende Angela Merkel erklärte, sie glaube weiterhin an eine einvernehmliche Lösung.

Merkel erinnerte am Dienstag im ZDF an den vereinbarten Ablauf, wonach sie zusammen mit dem CSU-Chef einen gemeinsamen Vorschlag vorlegen will. Sie halte nichts von "Drohgebärden und allen Dingen, die das Scheitern vorwegnehmen". Manches, was derzeit zu hören sei, lasse Missverständnisse aufkommen.

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Zuvor hatte Glos erklärt: "Wir werben um die Zustimmung unserer Schwesterpartei für das Angebot, das die CSU macht, nämlich ihren Parteivorsitzenden als einen der Kanzlerkandidaten zu präsentieren." Er betonte, notfalls sei Stoiber bereit, sich einer Kampfabstimmung in der Bundestags-Fraktion zu stellen. Man hoffe aber weiter auf eine einvernehmliche Lösung, die Merkel und Stoiber bei einem Vier-Augen-Gespräch nach der CDU-Klausursitzung in Magdeburg am Wochenende erreichen wollen.

In Kreuth wurde deutlich, dass auch in der CSU-Führung weiter Ungewissheit über den Fortgang der Kandidatenkür herrscht. Man dürfe "Merkel nicht verbrennen", sagte ein Mitglied der CSU-Spitze. Glos sagte, für Merkel bleibe im Falle eines Wahlsieges von Stoiber "sicher ein Platz in der allerersten Reihe" frei.

CDU-Sprecher verwiesen auf die "ganz klare Beschlusslage des Dresdner Parteitags" vor fünf Wochen, wonach sich Merkel und Stoiber mit einem gemeinsamen Personal- und Verfahrensvorschlag an ihre Parteien wenden sollen. Der CDU-Vorstand werde sich an dieses Prozedere halten, hieß es beim CDU-Bundesvorstand in Berlin. Aus der Fraktion hieß es, die "Offerte" der CSU sei "ein schlauer Schachzug" und keineswegs ein Bruch des vereinbarten Verfahrens. Mit Hinweis auf die Diskussion über eine Kandidatur Wolfgang Schäubles hieß es, die CSU habe das Kandidatenfeld auf einen Vorschlag ihrerseits verengt. Die Vorsitzende der Frauen-Union, Maria Böhmer, und der Brandenburger CDU-Abgeordnete Rainer Eppelmann sprachen sich für Merkel aus. Deren "entwürdigende Demontage" sei nicht länger hinzunehmen, sagte Eppelmann. Grünen-Bundesgeschäftsführer Reinhard Bütikofer sprach von "Anmaßung und Verstellung", mit der die CSU ihr "Kreuther Ultimatum" präsentiere.

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