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Kanzlerkandidatur : Seehofer wartet, Merkel taktiert, Stegner spottet

Die Kanzlerin sieht sich einem "Spiegel"-Bericht zufolge dazu genötigt, sich erst im Frühjahr 2017 zu einer erneuten Kanzlerkandidatur zu äußern. Die CSU bringt sie in eine Zwickmühle.

Da passt noch ein Blatt zwischen: CSU-Chef Horst Seehofer und Bundeskanzlerin Angela Merkel.
Da passt noch ein Blatt zwischen: CSU-Chef Horst Seehofer und Bundeskanzlerin Angela Merkel.Foto: Michael Kappeler/dpa

Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) will ihre Entscheidung, ob sie erneut als Kanzlerkandidatin zur Bundestagswahl antritt, nach "Spiegel"-Informationen voraussichtlich erst im Frühjahr 2017 bekannt geben. Die Verschiebung sei notwendig, weil CSU-Chef Horst Seehofer erst dann entscheiden wolle, ob seine Partei Merkel wieder unterstütze, zitierte der "Spiegel" am Samstag aus CDU-Kreisen.

Für die Kanzlerin sei das problematisch, weil sie sich auf einem CDU-Parteitag im Dezember für weitere zwei Jahre zur Vorsitzenden wählen lassen wolle, schreibt das Nachrichtenmagazin. Das könne sie gegenüber ihrer Partei nur vertreten, wenn sie sich auch wieder um das Amt der Kanzlerin bewerbe. In ihrem Umfeld wird laut "Spiegel" aber befürchtet, dass eine Ankündigung der Kanzlerkandidatur ohne Seehofers Unterstützung Merkel politisch schaden würde.

CDU-Generalsekretär Peter Tauber reagierte gelassen auf den Bericht. „Das Sommerloch ist doch vorbei“, sagte er der Deutschen Presse-Agentur. Die Menschen erwarteten von der Politik, sich um die Probleme zu kümmern. SPD-Vize Ralf Stegner spottete hingegen über die Querelen innerhalb der Union. „Die Kandidatur von Angela Merkel hängt offenbar am seidenen Faden der Gnade von Horst Seehofer“, sagte Stegner. „Um den Stolz der CDU ist es längst geschehen, wenn über die Spitzenkandidatur der Union in München entschieden wird und ein Wahlkampf mit gemeinsamen Inhalten schwer vorstellbar ist.“ CDU und CSU seien tiefgreifend zerstritten. „Es gibt in der Union keine gemeinsame Linie, keine verlässlichen Absprachen, kein belastbares Vertrauen“, sagte Stegner. „Das zeigt auch, dass der Ausgang der Bundestagswahl offener ist denn je.“

Ursprünglich hatte Merkel bereits in diesem Frühjahr erklären wollen, ob sie erneut zur Kanzlerin gewählt werden möchte. Angesichts der Flüchtlingskrise und des Streits mit der CSU hatte sie die Verkündung auf den Herbst verschoben. Am Freitag war außerdem bekanntgeworden, dass Merkel sich kürzlich mit Winfried Kretschmann getroffen hatte. Der Ministerpräsident Baden-Württembergs warb daraufhin für eine schwarz-grüne Koalition nach der Bundestagswahl 2017. (Tsp, AFP, dpa)

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