Politik : Kanzlerkandidatur: "Stoiber wäre auch im Norden zu vermitteln"

In der Union ist entgegen allen Absichtserklärungen die Debatte um den Kanzlerkandidaten voll entbrannt. Am Wochenende äußerten sich erstmals auch führende CDU-Politiker grundsätzlich positiv zu einer Kandidatur des bayerischen Ministerpräsidenten Edmund Stoiber. Zugleich machten in der CDU die Anhänger von Parteichefin Angela Merkel mobil. CDU-Generalsekretär Laurenz Meyer sagte vor Beginn einer Klausurtagung der CDU-Spitze in Mainz, er wüsste nicht, warum die Frage jetzt diskutiert werden müsste. In einer Umfrage sprach sich eine Mehrheit der Deutschen für den CSU-Chef als Herausforderer von Bundeskanzler Gerhard Schröder aus.

Unterstützung für eine Kandidatur Stoibers signalisierten nach dem hessischen Ministerpräsidenten Roland Koch auch die CDU-Landesvorsitzenden von Schleswig-Holstein und Bremen, Johann Wadephul und Bernd Neumann. Wadephul sagte der "Welt am Sonntag": "Natürlich wäre Stoiber im Norden zu vermitteln. Unserem Landesverband käme Stoiber genauso gelegen wie Angela Merkel." Der Kieler Landesvorsitzende verwies darauf, dass Stoibers jüngster Vorstoß zur Familienförderung mit der Programmatik der schleswig-holsteinischen CDU übereinstimme. Auch Neumann zeigte sich überzeugt, dass der CSU-Vorsitzende im Norden den nötigen Rückhalt hätte.

Die CDU-Bundestagsabgeordnete Erika Steinbach erklärte, Stoiber sei "zurzeit sogar der Spitzenmann in der Union". Als erfolgreicher Ministerpräsident sei er als Herausforderer von Schröder "selbstverständlich geeignet", sagte die Vorsitzende des Bundes der Vertriebenen dem Nachrichtenmagazin "Focus".

Für Merkel sprachen sich der ehemalige CDU-Generalsekretär Heiner Geißler und der stellvertretende Vorsitzende der CDU/CSU-Fraktion, Wolfgang Bosbach, aus. Schröder müsse vor der CDU-Vorsitzenden nach seiner festen Überzeugung mehr Angst haben als vor Stoiber, sagte Geißler der "Bild am Sonntag". Ihr offener und unverkrampfter Politikstil komme in der Bevölkerung an. Bosbach betonte, Merkel habe bewiesen, dass sie für höchste Ämter geeignet sei. Dagegen äußerte Koch Zweifel an der Eignung Merkels. Sie müsse ihre Befähigung noch unter Beweis stellen. "Wir haben die Aufgabe, Menschen zusammenzuführen. Das beginnt in der eigenen Partei." Wenn jemand daran scheitere, werde niemand glauben, dass er das mit einem ganzen Land besser könne.

Bei einer dimap-Umfrage im Auftrag der "Bild"-Zeitung und des Mitteldeutschen Rundfunks votierten 41 Prozent der 1100 Befragten für den CSU-Vorsitzenden als Kanzlerkandidaten. CDU-Chefin Angela Merkel kam auf 37 Prozent. Unionsfraktionschef Friedrich Merz hielten nur elf Prozent für geeignet.

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