Kanzlerporträt : Goldener Schröder im Kanzleramt aufgehängt

Das Porträt von Alt-Kanzler Gerhard Schröder ist in der Ahnengalerie des Bundeskanzleramts aufgehängt worden. Bundeskanzlerin Merkel würdigte den Kunstgeschmack ihres Vorgängers.

Mey Dudin
Schroeder-Portraet
In der Ahnengalerie: Gerhard Schröder und Oda Jaune, die Witwe des Malers Jörg Immendorff, vor dem Portät des Alt-Kanzlers. -Foto: ddp

BerlinMit einem süffisanten Lächeln wendet sich Alt-Kanzler Gerhard Schröder seiner Nachfolgerin zu. "Ich möchte ja nicht spekulieren", sagt er mit Blick auf die leere Fläche neben seinem Porträt in der Kanzlergalerie. Aber "wann auch immer" - irgendwann werde Angela Merkel möglicherweise neben ihm hängen. Um Platz für das neue Schröder-Porträt in der Ahnengalerie des Bundeskanzleramts zu schaffen, waren die Gemälde der früheren Regierungschefs dichter aneinander gerückt worden. Damit ist an der Wand neben Schröder noch ein Platz für Merkel frei.

Zur Vorstellung seines Porträts ist der Ex-Kanzler an seine frühere Wirkungsstätte zurückgekehrt. Hausherrin Merkel nimmt ihren Vorgänger persönlich in Empfang. Dies sei der "gute Abschluss" einer Arbeit, die Freude gemacht, aber auch Ärger eingebracht habe, sagt Schröder mit Blick auf das Gemälde, das den früheren Regierungschef in herrschaftlicher Pose ganz in Gold zeigt. "Es ist ein schöner Tag."

Erinnerung an Immendorff

Etwas Trauer mische sich aber in die Freude, sagt Schröder in Erinnerung an den im Mai verstorbenen Künstler Jörg Immendorff, dessen Witwe Oda Jaune unter den Gästen ist. Schröder hatte das Porträt bei dem Maler, mit dem er befreundet war, in Auftrag gegeben. Aufgrund seiner schweren Erkrankung erstellte Immendorff das Gemälde mit Hilfe von Assistenten. Das Bild steht dem Kanzleramt als Schenkung zur Verfügung.

Immendorff selbst ist als zerbrochener Schatten am Rande des Kunstwerks zu sehen, ein Symbol für sein Leiden an der Nervenkrankheit ALS . Ihm gegenüber prangt ein abstrahierter Bundesadler. Hinter dem Kopf Schröders tummeln sich die für die Bilder des Künstlers typischen Affen.

An dem feierlichen Akt in der Regierungszentrale nehmen auch Schröders SPD-Parteifreunde, Vize-Kanzler Franz Müntefering und Frank-Walter Steinmeier teil. Die schwarz-rote Koalition mache es möglich, dass "Sie ein paar Kameraden mitbringen konnten", stichelt CDU-Chefin Merkel. Nach dem SPD-Sommerfest trifft sie ihn bereits zum zweiten Mal innerhalb einer Woche bei einem öffentlichen Termin.

Schröders Kunstgeschmack gewürdigt

Zugleich würdigt sie den Kunstgeschmack ihres Vorgängers. Er habe dank seiner Beziehung zur Malerei dem sehr großen und nicht immer einladenden Kanzleramt mit ausgesuchten Bildern ein Stück Prägung gegeben. Nun habe er auch einen ganz großen Künstler zur Erstellung seines eigenen Porträts für die Kanzlergalerie ausgewählt.

Die Einrichtung der Galerie wurde 1976 von Bundeskanzler Helmut Schmidt (SPD) zum Umzug in den Bonner Kanzleramts-Neubau angeregt, um "die Kontinuität der Demokratie sichtbar" zu machen. Mit Verweis auf die jährlich mehr als 100.000 Gäste in der Berliner Regierungszentrale, die diese Bilder inzwischen besichtigen, betont Merkel: "Die Besucher brauchen jetzt nicht mehr zu fragen: Warum wird Schröder nicht aufgehängt?" (mit ddp)

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