Politik : Kanzlers Krönung

Markus Feldenkirchen

Foto: Rückeis / Montage: DP

HINTER DEN LINDEN

Als Gerhard Schröder auf einer seiner USA-Reisen das erste Mal mit George W. Bush zusammentraf, schenkte der amerikanische Präsident Schröders Gattin Doris die erste Aufmerksamkeit. „Is this your First Lady?“ fragte Bush den deutschen Kanzler „No, my fourth!“ antwortete Schröder.

Den First-Lady-Witz haben sich neulich zwei Abgeordnete im Reichstag erzählt. Die Geschichte stimmt nicht. Denn Doris ist die unbestrittene Nummer eins im Kanzlerherzen. Gerade schwierige Momente erleben die beiden am liebsten gemeinsam. So gehört es schon zur Parlamentstradition, dass Doris Schröder-Köpf, immer dann, wenn es für ihren Gerd im Bundestag eng wird, auf der Besuchertribüne Platz nimmt. Ihr Erscheinen im Reichstag löste deshalb am Freitagmorgen Unruhe unter den Abgeordneten aus. Eigentlich schien die Mehrheit für Schröders Agenda-Gesetze schon gesichert. Würde es doch knapp werden?

Nein, es war die Liebe, die die Kanzlerfrau am Freitag in die Nähe ihres Gatten trieb. Andere Ehemänner nehmen sich an ihrem Hochzeitstag natürlich frei im Büro und organisieren einen gemütlichen Ausflug in einen Gasthof am Stadtrand. Gerhard Schröder konnte das am Freitag nicht machen. Sonst hätte die „Bild“-Zeitung womöglich wieder geschrieben: „Liebestoller Kanzler! Turteln statt Taten“. Oder so ähnlich. So blieb dem Jubelpaar am Freitag gerade mal Zeit für einen Hochzeits-Kaffee im Bundestags-Restaurant.

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