Kanzlerwohnung : Merkel will nicht in der Willy-Brandt-Straße wohnen

Wenn alles nach Plan verläuft, wird Angela Merkel ins Kanzleramt einziehen - dort wohnen will sie allerdings nicht. Lieber bleibt sie in ihrer bisherigen Wohnung an der Museumsinsel.

Berlin - «Ich fahre jeden Tag von meiner Wohnung in Berlin-Mitte zur Arbeit. Das habe ich bis jetzt so gemacht, und das werde ich auch weiterhin so tun.» Selbst zu Fuß könnte sie - von ihrer Wohnung gegenüber der Museumsinsel aus - den Arbeitsplatz bequem in weniger als einer halben Stunde erreichen, immer nur an der Spree lang.

Dass die mächtigste Frau im Staate den Wohnungswechsel ausschlägt, liegt nahe. Denn das Kanzlerappartement im 8. Stock bietet mit seinen verhältnismäßig kleinen Privatzimmern, die noch dazu durch Repräsentationsräume getrennt sind, kaum Platz für ein Ehepaar. Der scheidende Bundeskanzler Gerhard Schröder (SPD) lebt dort auch nur während der Arbeitswochen, während seine Familie weiterhin in Hannover wohnt. Auch der bisherige Bundestagspräsident Wolfgang Thierse wollte seine Wohnung im Szeneviertel Berlin-Prenzlauer Berg nicht gegen repräsentative Diensträume in Dahlem tauschen.

Die 51-jährige CDU-Chefin hat ihren Lebensmittelpunkt im Zentrum Berlins. Welchen Sinn sollte es da machen, umzuziehen? Derzeit hege sie keine Umzugsgedanken, heißt es auch aus ihrer Umgebung. Seit mehr als sieben Jahren lebt Merkel im Herzen der Hauptstadt in einem schön restaurierten Gründerhaus mit Blick auf das Weltkulturerbe Museumsinsel, einen von Berlins größten Touristenmagneten.

Die Namensschilder an dem Haus verraten nicht ihre prominente Bewohnerin. Seit gut zwei Wochen signalisieren jedoch zwei Polizisten, die Tag und Nacht das Haus bewachen, wer dort wohnt. Der Polizeischutz wurde angeordnet, als sich Merkel im Kampf gegen Schröder um das Kanzleramt durchsetzte, vermutet eine benachbarte Kunsthändlerin. Touristen, die zu Hauf zur Museumsinsel strömen, hätten jedoch auch schon zuvor nach der bekanntesten CDU-Politikerin gefragt, sagt Leela Beate Martiny.

«Ich bin vor drei Jahren von meinem Vermieter noch zur Verschwiegenheit ob der prominenten Nachbarschaft verpflichtet worden», erzählt Martiny. «Inzwischen erzählen mir die Touristen, sie würden schon auf den vorbeifahrenden Spreeausflugsschiffen auf das Haus von Frau Merkel hingewiesen.» Martinys Kunstgeschäft betreten hat Angela Merkel noch nicht. «Mein Geschäft ist ohnehin wesentlich präsenter als Frau Merkel», meint die Kunsthändlerin. «Hier können die Touristen schöne Sachen anschauen und kaufen. Das ist doch viel interessanter als Frau Merkel, wenn sie nie zu sehen ist.»

Die Polizeibeamten geben sich auftragsgemäß zugeknöpft und sagen nicht mal, weshalb sie dort Wache schieben. Auch die diversen Behörden bis zu dem für den Personenschutz zuständigen Bundeskriminalamt machen keinerlei Angaben über künftig verstärkte Sicherheitsmaßnahmen. «Dazu erteilen wir aus verständlichen Gründen keinerlei Auskunft», heißt es unisono auf Fragen, ob zum Beispiel künftig Fenster mit Panzerglas versehen werden müssen.

Klar wird nur, dass der «Sicherheits-Check» noch nicht beendet ist. Ob Merkel künftig in unmittelbarer Nähe der meistbesuchten Museen Berlins bleiben kann, ist nicht abschließend beantwortet. Auch die Chefin selbst habe sich mit dieser Frage noch gar nicht befasst, heißt es. Sie habe derzeit andere Probleme. Das wichtigste Datum ist erst einmal der 22. November. Dann soll Merkel - wenn die Koalitionsverhandlungen mit der SPD erfolgreich abgeschlossen werden - zur ersten Bundeskanzlerin Deutschlands gewählt werden.

In die frühere Kanzlervilla im südwestlichen Berliner Nobelviertel Dahlem kann Merkel übrigens auch nicht ziehen. Dort wohnt bereits Bundespräsident Horst Köhler. (Von Kirsten Baukhage, dpa)

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