Politik : Kanzlerwunder

Robert Birnbaum

Foto: Rückeis / Montage: DP

HINTER DEN LINDEN

„Und die Kinder Israel kamen mit der ganzen Gemeinde in die Wüste Zin im ersten Monat. Und die Gemeinde hatte kein Wasser, und sie versammelten sich wider Mose und Aaron. Und das Volk haderte mit Mose und sprach: Warum habt ihr die Gemeinde des Herrn in diese Wüste gebracht?“ Es ist das ewige Schicksal aller Anführer. Wenn sie nicht sagen, wo’s langgehen soll, hadert das Volk und ruft nach Anführung. Wenn sie dann seufzend den Weg weisen, hadert das Volk mit der Streckenführung. Was haben die Kinder Israel gedacht, was sie in der Wüste finden? Etwa nicht einen „bösen Ort, da man nicht säen kann, da weder Feigen noch Weinstöcke noch Granatäpfel sind und dazu kein Wasser zu trinken“? Die Kinder Israel, wie Kinder so sind – nix haben sie gedacht. Nur die versprochene Herrlichkeit im Kopf gehabt. Kommt uns das ein bisschen bekannt vor? Gut, wir sollen nicht hochmütig sein und uns erheben über die vom Volk gewählten Abgeordneten des Bundestages. Aber gelegentlich kommt es uns schon auch an, dass wir sie betrachten wie die Kinder Israel: Nach Führung rufend einerseits, stets bereit auch, in guten Tagen demonstrativ Beifall zu spenden, aber zagend und voller Unmut, wenn sie zu Hause erklären sollen, weshalb es demnächst Rente erst ab 67 geben soll. Doch hören wir, wie es weiter ging: „Und der Herr redete mit Mose und sprach: Nimm den Stab und versammle die Gemeinde, du und dein Bruder Aaron, und redet mit dem Fels vor ihren Augen. Und Mose und Aaron versammelten die Gemeinde vor den Fels, und er sprach zu ihnen: Höret, ihr Ungehorsamen, werden wir euch Wasser bringen aus jenem Fels? Und Mose hob seine Hand auf und schlug den Fels mit dem Stab zweimal.“ Woraufhin der Fels vor Schreck mit Wasser rausrückte. Das war damals. Und heute? „Schröder eröffnet Brunnen in der Wüste“, meldet Associated Press. Hört ihr, ihr Ungehorsamen?

0 Kommentare

Neuester Kommentar