Politik : Kapitän: PLO-Vertreter bestellte die Waffen

Der palästinensische Kapitän des Waffenschiffs "Karine-A" hat am Montag einen Repräsentanten der palästinensischen Autonomiebehörde als Auftraggeber der Ladung genannt. Israelische Sonderkommandos hatten das mit 50 Tonnen Waffen beladene Schiff am Donnerstag im Roten Meer aufgebracht. Kapitän Omar Akaui sagte nach Rundfunkangaben in Exklusivinterviews mit den beiden israelischen Fernsehsendern, der palästinensische Vertreter in Griechenland, Abdallah Abdallah, habe die Waffen bestellt. Akaui selbst, der in Palästinenserkreisen als Waffenhändler gilt, arbeitete bis vor einem Jahr in der palästinensischen Marine.

Während des Interviews aus einem Gefängnis in Aschkelon, das am Abend im Fernsehen ausgestrahlt werden sollte, sagte Akaui, man habe nicht damit gerechnet, im Roten Meer gefasst zu werden. Er habe dies eher bei der geplanten Fahrt durch den Suez-Kanal befürchtet. Akaui bestätigte den Angaben zufolge, die Fracht im Wert mehrerer Millionen Dollar sei für "Palästina" bestimmt gewesen.

Die israelische Tageszeitung "Jediot Achronot" berichtete inzwischen, dass die "Karine-A" im Gegensatz zu offiziellen israelischen Angaben nicht von der Autonomiebehörde, sondern Ende August vergangenen Jahres von einem irakischen Geschäftsmann gekauft worden sei. Dem Blatt liegen Dokumente vor, die eindeutig bewiesen, dass das Schiff am 31. August vergangenen Jahres von dem Iraker Ali Mohammed Abbas für 400 000 US-Dollar in Libanon gekauft wurde. Die israelische Armee und die Regierung erklärten dagegen, das mehr als 30 Jahre alte Schiff sei im Besitz der palästinensischen Autonomiebehörde gewesen.

Das Schiff wurde Abbas nach Angaben von "Jediot Achronot" am 2. Oktober in einem sudanesischen Hafen von seinem libanesischen Besitzer überstellt. Die israelische Armee bestand gegenüber dem Blatt darauf, dass die "Karine-A" "vor etwa zwei Monaten" von den Palästinensern gekauft" wurde.

Widersprüchliche Angaben gab es auch im Zusammenhang mit Äußerungen, wonach sich an Bord des Schiffes ein Mitglied der libanesischen Schiitenmiliz Hisbollah aufgehalten habe. Die israelische Regierung hatte daraus den öffentlichen Schluss gezogen, dass die Hisbollah an dem Waffenkauf für die Palästinenser direkt beteiligt war. Ein Armeesprecher erklärte jedoch inzwischen, es habe keinen Hisbollah-Agenten an Bord des Schiffes gegeben.

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