Kapitalismusschelte : Müntefering erneuert "Heuschrecken"-Kritik

Franz Müntefering hat zu einem neuerlichen Rundumschlag gegen internationale Finanzinvestoren ausgeholt. "Sittenwidrig" sind seiner Meinung nach auch die Gehälter von einigen Top-Managern der deutschen Wirtschaft.

Hamburg - Bundesarbeitsminister Franz Müntefering (SPD) hat seine Kritik an weltweit agierenden Finanzinvestoren erneuert. Müntefering sagte der "Bild am Sonntag": "Es gibt eine Finanzindustrie weltweit, die mit Geld wie mit einer Ware hantiert. Da wird mit astronomischen Summen schnell viel zusätzliches Geld verdient - ohne Rücksicht auf die Frage, was das für Arbeitsplätze und das Wohlergehen der Menschen bedeutet. Das ist das hässliche Gesicht des modernen Kapitalismus." Im vorigen Jahr hatte Müntefering Finanzinvestoren als "Heuschrecken" bezeichnet und damit heftige Debatten ausgelöst.

Der Vizekanzler betonte, er habe "kein Patentrezept gegen solche Machenschaften". Er fügte hinzu: "Geld darf nicht die Welt bestimmen. Wirtschaft ist für die Menschen da, nicht umgekehrt."

Die Spitzengehälter mancher Topmanager kritisierte Müntefering als "sittenwidrig". "Ich kann akzeptieren, dass Spitzenleute das 10- oder 20-fache des einfachsten Arbeiters verdienen. Aber manchmal ist es das Hundertfache und mehr. Da endet mein Verständnis", sagte der SPD-Politiker. Sittenwidrig seien aber auch Niedriglöhne, die unter dem Existenzminimum liegen. "Das kann und wird die Politik nicht weiter akzeptieren", sagte der Minister mit Hinweis auf Mindestlohnpläne. (tso/ddp)

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