Politik : Kardinal bittet Gemeinden um Entschuldigung

Sterzinsky übernimmt Verantwortung für die Finanzkrise seiner Kirche in Berlin: Ich habe notwendige Entscheidungen nicht getroffen

Martin Gehlen

Berlin. In einem Aufsehen erregenden Brief an alle Gemeinden hat Kardinal Georg Sterzinsky persönlich die Verantwortung für das Finanzdesaster des Erzbistums übernommen und die Gläubigen um Entschuldigung gebeten. „Ich gestehe, dass ich notwendige Entscheidungen nicht getroffen oder nicht durchgesetzt habe, die zu einer Verhinderung der Notlage hätten führen können. Ich bitte um Entschuldigung und Nachsicht", heißt es in dem anderthalbseitigen Schreiben, das am Samstagabend und Sonntag in allen katholischen Gottesdiensten verlesen werden sollte. Auch wenn auf die Frage nach der Schuld keine kurzen Antworten gegeben werden könnten, „so erkläre ich jedoch, dass auf mir als Erzbischof die Verantwortung für die entstandene Situation liegt". Davon könne ihn auch die Tatsache nicht entbinden, dass er in gutem Glauben und in Übereinstimmung mit den zuständigen Gremien gehandelt habe.

Kardinal Sterzinsky, der selbst am Wochenende nicht in Berlin ist, hatte diesen Brief in Freising geschrieben, wo von Montag bis Donnerstag die Deutsche Bischofskonferenz zusammenkam. Die Bischöfe sagten dem angeschlagenen Berliner Erzbistum eine Kredithilfe von maximal 50 Millionen Euro zu. In einer gemeinsamen Erklärung nannten sie die in Berlin entstandene Situation „eine Belastung für die katholische Kirche in ganz Deutschland" und sprachen von „teils sehr beschädigtem Vertrauen".

Auch Sterzinsky schreibt in seinem Brief von einer „Vertrauenskrise im Erzbistum“ und von „großer Unsicherheit“. Er ruft die Gläubigen auf, „Vertrauen und Bereitschaft zur Mitarbeit zu bewahren oder zurückzugewinnen, insbesondere bei denen, die im hauptamtlichen Dienst der Erzdiözese stehen". Er verspricht allen Mitarbeitern und Gemeindemitgliedern Transparenz und wirksame Kontrolle, Wahrnehmung von Mitverantwortung und schließlich Aufarbeitung von Versäumnissen und Fehlern der Vergangenheit. Der Text schließt mit den Worten: „Ich weiß, dass ich ihr Vertrauen nicht einfordern kann; ich kann nur von Herzen darum bitten."

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