Politik : Kardinal und Sündenbock

Verwirrung um Lehmann-Aussage über den Umgang mit Hohmann

Martin Gehlen

Verwirrung um Karl Lehmann, den Vorsitzenden der Deutschen Bischofskonferenz: Der Mainzer Kardinal habe bei den Landauer Gesprächen am Donnerstagabend den Umgang der CDU mit dem umstrittenen Abgeordneten Martin Hohmann kritisiert, meldete Freitag früh die Nachrichtenagentur dpa. Er, Lehmann, halte nichts vom Ausschluss Hohmanns aus der CDU/CSU-Bundestagsfraktion oder aus der Partei. Hohmann werde zum „Sündenbock“ gemacht. Die Meldung löste eine Flut von Anfragen und Nachfragen aus sowohl beim Sekretariat der Bischofskonferenz wie auch im Bischofsamt in Mainz. Nach vielen Stunden erst reagierte die Pressestelle des Bistums Mainz und verschickte eine „Klarstellung“ des Kardinals: „Ich habe nicht erklärt, dass Hohmann zum Sündenbock gemacht worden ist.“ Auch habe er die Unionsfraktion im Bundestag wegen des Ausschlusses von Hohmann nicht kritisiert.

Laut Deutscher Presseagentur hatte Lehmann bei den „Landauer Gesprächen“ gesagt, er halte „nicht sehr viel davon“, dass Hohmann aus der Fraktion ausgeschlossen worden sei, und wörtlich angefügt, „das ist ja nun doch noch so ein Sündenbock“.

In seiner Klarstellung teilte der Kardinal mit, ihm sei es darum gegangen, „auf das bisher noch Unvollkommene der Auseinandersetzung, vor allem in der Öffentlichkeit und in den Medien, aufmerksam zu machen“. Er habe unter anderem erklärt, er sei wenig glücklich über die Art und Weise, wie der Konflikt bisher verarbeitet wurde. Der Ausschluss aus Fraktion oder Partei sei nicht das einzige Mittel, um die notwendige Auseinandersetzung zu führen. Sonst könne leicht der Eindruck entstehen, dass auch Hohmann nach dem Sündenbock-Prinzip behandelt werde. Entscheidender sei die inhaltliche Auseinandersetzung. Derweil stellte sich der Präsident des Zentralkomitees der deutschen Katholiken (ZdK), Hans Joachim Meyer, in der Affäre Hohmann noch einmal demonstrativ hinter die Unionsfraktion. Der Ausschluss des Fuldaer CDU-Abgeordneten sei ein „schwieriger Schritt“ für die CDU gewesen, dem er „Hochachtung“ zolle, sagte Meyer. Er habe aber kein Verständnis für Kritiker, die diesen Schritt für verspätet hielten.

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