Karfreitagspredigt : Huber: "Irakkrieg ist eine globale Sackgasse"

Bischhof Wolfgang Huber, verurteilt den Irakkrieg als ein Weg in die Hoffnungslosigkeit. Die Hälfte der Christen haben den Irak verlassen, ohne Aussicht zurückkehren zu können.

Huber
Der Ratsvorsitzende der Synode der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), Bischof Wolfgang Huber. -Foto: ddp

BerlinDer Ratsvorsitzende der Synode der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), Bischof Wolfgang Huber, hat in seiner Karfreitagspredigt die Verfolgung von Christen im Irak angeprangert. "Der geplante Siegeszug der Freiheit wurde für die Menschen im Irak zu einem leidvollen Kreuzweg", sagte Huber in der Berliner Marienkirche. Fünf Jahre nach Beginn der US-militärischen "Operation Iraqui Freedom" zeige sich, dass die verheißene Befreiung nicht stattgefunden habe.

Der Irakkrieg sei eine "globale Sackgasse, eine Straße des Elends und der Hoffnungslosigkeit", sagte Huber in seiner Predigt. Es sei zugleich "die teuerste Sackgasse aller Zeiten". Bischof Huber erinnerte an das Leben der Christen vor dem Krieg: "Es ist auf beklemmende Weise grotesk, dass es ihnen unter der Herrschaft des Diktators Saddam Hussein besser ging als unter dem Protektorat der US-amerikanischen Schutzmacht."

"Was ihnen widerfährt, gleicht ethnischen Säuberungen und Völkermorden"

"Im April 2003 lebten noch etwa 1,5 Millionen Christen im Irak", erklärte Huber. Sie stellten acht Prozent der irakischen Bevölkerung. Inzwischen habe etwa die Hälfte der irakischen Christen das Land verlassen. "Die Hoffnung, dass sie jemals zurückkehren werden, gleicht einem verlöschenden Docht", sagte der Bischhof . "Was ihnen widerfährt, gleicht ethnischen Säuberungen und Völkermorden an anderen Orten, denen die Weltöffentlichkeit auch schon tatenlos und wortlos zugesehen hat", betonte Huber.

Einer Mitteilung der Evangelischen Kirche Berlin-Brandenburg-schlesische Oberlausitz zufolge würden Christen im Irak gezielt verfolgt. Sie würden "häufig als Bedrohung für den islamischen Charakter des Landes oder als Unterstützer der US-geführten Invasion und der gegenwärtigen irakischen Regierung dargestellt werden". Die Täter dieser Gewalttaten seien Mitglieder krimineller Banden oder paramilitärischer  Gruppen. Die staatlichen Autoritäten seien entweder nicht in der Lage oder nicht willens, Schutz zu gewähren. (ml/ddp/dpa)

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