Karikaturenstreit : Schäuble-Ministerium rudert zurück

27.02.2008 13:50 Uhr

Hat Wolfgang Schäuble die europäische Presse aufgefordert, die umstrittenen Mohammed-Karikaturen abzubilden? Die Blätter sollten dem Beispiel dänischer Zeitungen folgen, sagte der Bundesinnenminister in einem Streitgespräch.

Berlin"Eigentlich müssten jetzt alle europäischen Zeitungen diese Karikaturen abdrucken, und zwar mit der Erklärung: Wir finden sie auch miserabel, aber die Inanspruchnahme von Pressefreiheit ist kein Grund, Gewalt zu üben." Dies sagt Bundesinnenminister Schäuble im Magazin "Leben" der Wochenzeitung "Die Zeit". Er habe "Respekt davor", dass die dänischen Zeitungen die Mohammed-Karikaturen erneut abgedruckt hätten. Hier gelte das Motto: "Wir lassen uns nicht auseinanderdividieren."

Den Satz bestätigt seinMinisteriumssprecher Stefan Parisim Wesentlichen, versucht aber gleichzeitig ihn zu relativieren: Schäuble habe "in keiner Weise" zum Abdruck der Karikaturen in allen europäischen Zeitungen aufgefordert.

Der Satz sei im Übrigen in einem langen Streitgespräch gefallen.

Turban birgt Sprengstoff

Große dänische Zeitungen hatten Mitte Februar erneut eine umstrittene Karikatur des Propheten Mohammed mit einer Bombe im Turban veröffentlicht. Sie reagierten damit auf die Aufdeckung von Mordplänen gegen den Zeichner. Die Veröffentlichung rief wie schon vor mehr als zwei Jahren heftige Proteste in der islamischen Welt hervor.

In Ägypten war auch der Verkauf deutscher Zeitungen untersagt worden, nämlich der "Welt" und der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung" (FAZ). In der "Welt" war die Mohammed-Karikatur mit der Bombe im Turban erschienen - die "FAZ" hatte ein Foto abgedruckt, das Titelseiten dänischer Zeitungen mit Mohammed-Karikaturen zeigt. In Dänemark hatte es eine Welle von Brandstiftungen junger muslimischer Zuwanderer gegeben.

Schäuble zeigt sich überzeugt, dass die Bedeutung der Religion in den nächsten Jahrzehnten nicht abnehmen wird: "In der Welt des 21. Jahrhunderts wird die Religion eine große Bedeutung behalten, und zwar sicher nicht nur, was den Islam angeht. Den Menschen wird klar werden, dass sie am Ende nicht ohne Religion auskommen". (ck/dpa)

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