Karl-Heinz Dellwo : Gefangenenakte von Ex-RAF-Terrorist teilweise verschwunden

Mysteriöse Vorgänge im Celler Hochsicherheitsgefängnis: In der Akte von Ex-RAF-Terrorist Karl-Heinz Dellwo fehlen mehrere Seiten. Nähere Hintergründe sind noch unklar.

Buchmesse Leipzig - Karl-Heinz Dellwo
Karl-Heinz Dellwo hatte 1975 einen Anschlag auf die deutsche Botschaft in Stockholm verübt. -Foto: dpa

Celle/HannoverAus der Gefangenenakte des ehemaligen RAF-Terroristen Karl-Heinz Dellwo sind dutzende Seiten spurlos verschwunden. Die Staatsanwaltschaft ermittele derzeit, welche Teile der Akte fehlten, teilte das niedersächsische Justizministerium am Freitag mit. Es soll mehrere Durchsuchungen im Celler Hochsicherheitsgefängnis gegeben haben. Die Anstaltsleitung hatte bereits im September nach dem Hinweis eines Häftlings Strafanzeige erstattet.

Zugang zu der Akte hatten nur JVA-Angestellte

Dellwo, der 1975 mit Komplizen einen Anschlag auf die deutsche Botschaft in Stockholm verübt hatte, war bis zu seiner Freilassung 1995 in Celle inhaftiert. SPD und Grüne forderten von der Landesregierung eine umfassende Aufklärung der mysteriösen Vorgänge. Dellwos 20-bändige Akte wird in Archivräumen der Haftanstalt aufbewahrt, zu der nur JVA-Bedienstete Zutritt haben. Auf ungeklärte Weise verschwand außerdem die Akte des Schauspielers Burkhard Driest, das Dokument tauchte aber später wieder auf.

Driest hatte 1965 als Jurastudent eine Bank überfallen und seine Strafe bis 1968 in Celle abgesessen. Dort begann er zu schreiben. Seine Akte werde länger als die üblichen 30 Jahre aufbewahrt, weil sie Teil eines Literaturprojekts war, erklärte der Sprecher des Justizministeriums, Philip Haarmann. Noch sei völlig unklar, wann die Seiten aus Dellwos Akte entfernt wurden und welche Motive dahinter stecken könnten, sagte der Sprecher.

Dellwo brachte Ermittlungen ins Rollen

Der Ex-Terrorist hat sich von den Gewalttaten der RAF distanziert und arbeitete zuletzt als Dokumentarfilmer in Hamburg. Dellwo und Driest seien informiert worden, hieß es aus dem Ministerium. In den Akten befinden sich unter anderem das Urteil, Strafregister-Auszüge und Anträge der Haftzeit. Der Häftling, der die Ermittlungen ins Rollen brachte, hatte sich in mehreren Briefen an den Grünen-Abgeordneten Helge Limburg gewandt. Darin schilderte er Limburg zufolge, er habe Angst, dass jeder in seiner eigenen Akte lesen könnte.

In dem Hochsicherheitsgefängnis sitzen nur Männer, die zu mindestens zehn Jahren Haft verurteilt wurden. Der niedersächsische Landtag beschäftigt sich nun in seiner nächsten Sitzung mit dem Umgang mit Akten in Gefängnissen. Nach Angaben des Ministeriums ist kein vergleichbarer Fall bekannt. (sg/dpa)

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