Karl-Heinz Kurras : Strafanzeige gegen Ohnesorg-Todesschützen erstattet

Gegen den früheren West-Berliner Polizisten Karl-Heinz Kurras, der 1967 den Studenten Benno Ohnesorg unter bisher ungeklärten Umständen erschossen hatte, ist erneut Strafanzeige erstattet worden. Kurras soll seit Mitte der 1950er Jahre Inoffizieller Mitarbeiter (IM) der Stasi gewesen sein.

Kurras
Der SED-Mitgliedsausweis von Karl-Heinz Kurras. -Foto: BStU

BerlinDer Vorsitzende der Vereinigung 17. Juni und stellvertretende Bundesvorsitzender der Vereinigung der Opfer des Stalinismus (VOS), Carl-Wolfgang Holzapfel, erstattete nach eigenen Angaben Strafanzeige gegen den 81-jährigen Kurras. Der im Berliner Stadtteil Spandau lebende Pensionär, bestreitet im Tagesspiegel jemals mit der Stasi kooperiert zu haben.

"Mord verjährt nicht", erklärte Holzapfel in einer Pressemitteilung. Die Ermittlungen gegen Kurras müssten so schnell wie möglich wieder aufgenommen werden. Der Polizist war in zwei Verfahren in den Jahren 1967 und 1970 vom Vorwurf der fahrlässigen Tötung freigesprochen worden. Erkenntnisse der Birthler-Behörde zeigten, dass sich Kurras 1955 gegenüber der DDR-Staatssicherheit verpflichtete, die West-Berliner Polizei auszuspähen. Außerdem soll er laut vorliegenden Dokumenten Mitglied der DDR-Staatspartei SED gewesen sein.

Seine tödlichen Schüsse auf Ohnesorg während der Demonstrationen gegen den Schah-Besuch vor der Deutschen Oper am 2. Juni 1967 in Berlin gelten als Zäsur für die bis dahin meist friedliche Protestbewegung in der Bundesrepublik. In der zeitgeschichtlichen Forschung gibt es wenig Zweifel, dass Ohnesorgs Tod zur Radikalisierung der damaligen Außerparlamentarischen Opposition (APO) und zur Entstehung des Terrorismus in der Bundesrepublik mit beigetragen hat. (jg/dpa)

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