• Karl Jüsten tritt sein Amt als Leiter des Katholischen Büros an und möchte Seelsorger bleiben

Politik : Karl Jüsten tritt sein Amt als Leiter des Katholischen Büros an und möchte Seelsorger bleiben

Raoul Fischer

Karl Jüsten lacht gerne. Der 38-Jährige Priester ist tief verwurzelt im Rheinland. Seine Mutter stammt vom Niederrhein, sein Vater aus der Nähe Aachens. Seit März wohnt der neue Leiter des katholischen Büros in Berlin. Und am ersten Wochenende ist er gleich zurück nach Köln gefahren - zum Karneval. "Weiberfastnacht in Berlin ist wie Aschermittwoch im Rheinland", erklärt er.

Am heutigen Mittwoch wird Jüsten offiziell in sein Amt eingeführt. Zu dem Festakt in der katholischen Akademie hat sich auch der Bundestagspräsident angesagt. Es ist ein wichtiges Amt. Wichtig für die Kirche, da der Leiter des katholischen Büros an der Schnittstelle zur Bundesregierung sitzt. Ein Lobbyist, der von der Familienpolitik bis zur Kleingartenverordnung die Belange der Kirche zu Gehör bringt. Aber das Amt ist auch wichtig für den Staat. Es geht auf eine Initiative Konrad Adenauers zurück, der in der Kirche einen Ansprechpartner brauchte.

Die Entscheidung der deutschen Bischöfe ist ein Risiko. Für die Bischöfe, weil Jüsten kein Mann großer politischer Erfahrung ist. Zwar hat er über "Ethik und Ethos der Demokratie" promoviert, aber seine Aufgaben lagen bisher im Raum der Kirche. Für Jüsten selber besteht das Risiko darin, zwischen den Standpunkten der Bischöfe zerrieben zu werden. Aber Jüstens Berufung ist auch eine Chance. Für die katholische Kirche, da der junge Priester unbelastet ist von alten Positionen im Streit um die Stellung der Kirche im Grundgesetz. Er kann neue Akzente setzen. Zum Beispiel in der Frage, wo in der Demokratie Werte greifen: "Wahrhaftigkeit", benennt Jüsten ein aktuelles Thema. Im Kölner Generalvikariat war er mit dem Personaleinsatz der Seelsorger befasst, mit der Zukunft der Kirche zwischen Priestermangel und praktischen Aufgaben. Daraus bringt er in das Geschäft zwischen Staat und Kirche eine andere Sichtweise ein. Und kann eine junge, eher kirchenferne Politikergeneration ansprechen, die die alte Garde arrivierter Kirchenmänner nicht mehr erreicht. Jüsten möchte Seelsorger bleiben.

In dem schwarzen Talarhemd steckt ein jungenhafter Typ, der das Korsett kirchlicher Dienstkleidung sprengt. Als Student in Freiburg hat er Fackelzüge organisiert, damit sein Professor Karl Lehmann nicht einem Ruf an die Tübinger Universität folgte. Lehman ist heute Bischof von Mainz und Vorsitzender der Deutschen Bischofskonferenz. Jetzt braucht er ihn als Partner im politischen Geschäft. Mit Lehmann verbindet ihn auch die Nähe zu Karl Rahner: Jüsten studierte für einige Zeit in Innsbruck, um den großen Theologen zu hören. Damals lernte er Skifahren, vom Neffen des legendären Toni Sailer. "Nach der Ganzheitsmethode: Sofort eine steile, schwere Piste herunter", erzählt Jüsten und lacht. Eine Erfahrung, die ihm in seinem neuen Amt nützlich sein könnte.

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