Karriereplan : Guttenberg nennt Kanzler-Gerüchte Mumpitz

Minister Karl-Theodor zu Guttenberg ist erschreckt über seinen Höhenflug in den Medien: "Der Absturz kann stündlich kommen".

Berlin - Bundesverteidigungsminister Karl-Theodor zu Guttenberg (CSU) hat die anhaltenden Spekulationen über eine Kanzlerkandidatur entschieden zurückgewiesen. Was derzeit über ihn berichtet werde, sei „bizarr, fern aller realistischen Betrachtungen“ und „Mumpitz“, sagte er dem „Spiegel“. In Medienberichten wird Guttenberg seit längerem als Nachfolger von Kanzlerin Angela Merkel (CDU) gehandelt, auch über eine Übernahme des CSU-Vorsitzes 2011 wird spekuliert. Guttenberg äußerte im „Spiegel“ Zweifel, ob er überhaupt für längere Zeit Politiker bleiben wolle. „Ich bin von Beginn an mit dem vollen Bewusstsein in die Politik gegangen, dass ich jederzeit aufhören könnte“, sagte der 38-Jährige. Er verspüre keine „Lust des Klammerns“ an dem, was er habe. Im Gegenteil sei „die Lust, andere Brücken zu bauen“, in letzter Zeit größer geworden.

Über seinen rasanten politischen Aufstieg sagte Guttenberg: „Ein gewisser Absturz hätte bei mir längst kommen müssen. Weil er bislang nicht gekommen ist, kann er stündlich kommen.“ Das hohe Ansehen bei Bürgern und Medien ist ihm nach eigener Aussage nicht ganz geheuer: „Es ist eher so, dass einen das erschreckt, weil es dem hoffentlich vorhandenen Restmaß an Realitätssinn völlig widerspricht.“ In solchen „Retter-Betrachtungen“ liege immer „die Gefahr der Überschätzung“.

Zuletzt hatte die „Frankfurter Allgemeine Zeitung“ über eine Ablösung Merkels durch Guttenberg oder den früheren hessischen Ministerpräsidenten Roland Koch (CDU) spekuliert. In der Union werde am häufigsten Guttenberg als Nachfolger gehandelt. Guttenberg liegt seit Monaten in Umfragen an der Spitze der Politiker-Ranglisten und erhält bei den Bürgern deutlich mehr Zustimmung als Merkel. Der Politikwissenschaftler und Merkel-Biograf Gerd Langguth sagte dem Magazin „Focus“: „Die Wahl in Baden-Württemberg könnte zur Schicksalswahl für Angela Merkel werden.“

Merkel selbst warnte ihre Partei eindringlich vor weiteren Diskussionen über die Konsequenzen einer möglichen Niederlage in Baden-Württemberg: „Wir sind hier nicht im theoretischen Physiklabor, sondern fünf Monate vor entscheidenden Landtagswahlen“, sagte die Kanzlerin, die selbst promovierte Physikerin ist. Man dürfe jetzt nicht Betrachtungen anstellen, „wie wann was bei welchem Ausgang passiert“. Sie gestand gleichzeitig ein: „Wenn ich die Zeitung aufschlage, dann wird man manchmal ganz nervös.“AFP/dapd

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