Politik : Karsai verhandelt separat Afghanistans Präsident spricht mit Rebellen

Christine MöllhoffD

Neu-Delhi - Die Suche nach einem friedlichen Ende des achtjährigen Krieges in Afghanistan gewinnt an Fahrt. Präsident Hamid Karsai nahm am Montag erste Friedensgespräche mit einer der drei großen Milizengruppen auf. Dabei handelt es sich um die Hezb-i-Islami von Gulbuddin Hekmatjar. Der frühere Mudschaheddin-Führer rivalisiert zwar mit den Taliban, teilt aber viele ihrer Ziele. „Ich kann bestätigen, dass eine Delegation von Hezb-i-Islami in Kabul ist und sich mit dem Präsidenten getroffen hat“, sagte Karsais Sprecher Waheed Omer. Hektmatjars Milizen kämpfen vor allem im Osten und in Flecken im Norden gegen die Nato. Er war in den 80er Jahren von der CIA aufgepäppelt worden, um gegen die Russen in Afghanistan zu Felde zu ziehen. Heute wird er von den USA als Terrorist mit Kontakten zu Al Qaida gesucht.

Der Zeitpunkt für die Gespräche ist kein Zufall. Karsai will Ende April eine Loya Jirga, eine große Ratsversammlung, einberufen, um mit den traditionellen Häuptern Afghanistans über eine friedliche Lösung mit den aufständischen Islamisten zu beraten. Pakistan und auch den USA scheint das allerdings wenig zu passen. Beide wollen bei Friedensgesprächen das entscheidende Wort haben, um ihre eigenen Interessen am Hindukusch zu wahren. Islamabad nahm in den vergangenen Wochen eine Reihe von afghanischen Taliban-Führern fest, die sich seit Jahren in Pakistan versteckt halten und die bereits geheime Gespräche mit Karsai und den Vereinten Nationen führten. Die USA waren offenbar eingeweiht oder über die CIA angeblich sogar direkt beteiligt. Washington lobte die Festnahmen.

Dagegen zeigte sich der frühere UN- Sondergesandte für Afghanistan, Kai Eide, empört über die Verhaftungswelle. Er bestätigte, dass die UN mit den festgenommenen Taliban geheime Friedensgespräche führten. Chefunterhändler der Taliban war Abdul Ghani Baradar, die Nummer zwei hinter Mullah Omar. Als Folge der Festnahmen seien die Kontakte abgebrochen, sagte Eide.

Diesmal will Karsai offenbar verhindern, dass ihm andere in die Quere und seine Verhandlungspartner abhandenkommen, indem er die Gespräche mit Hektmatjar öffentlich macht. Die Unterhändler von Hektmatjar sollen einen 15-Punkte-Friedensplan mitgebracht haben. Als Kernpunkt fordern die Aufständischen den Abzug der ausländischen Truppen aus Afghanistan. Auch verlangen sie Neuwahlen und eine neue Verfassung. Entscheidend sei jedoch, dass Karsai die Vollmacht erhalte, Friedensgespräche zu führen und Entscheidungen zu treffen. Die USA und Pakistan dürften versuchen, Karsai genau dies streitig zu machen.Christine Möllhoff

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