Politik : Kartenbetrug kostet Kassen Milliarden

Privatversicherte nutzen fremde Patientendaten, um ihre Prämien zu erhalten

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Berlin Offenbar gibt es seit einigen Jahren eine bisher wenig bekannte Form des Kartenbetrugs bei der gesetzlichen Krankenversicherung. So lassen sich nach einem Bericht der „Bild am Sonntag“ Privatpatienten mit fremden Versicherungskarten auf Kosten der gesetzlichen Krankenkassen behandeln. Grund seien die Prämienrückzahlungen für viele Privatpatienten zum Jahresende. Diese zahlen die Versicherungen aus, wenn der Patient seiner Kasse nicht zu hohe Kosten verursacht hat, eben etwa durch Arztbesuche.

Dem Bericht zufolge nimmt der Missbrauch stetig zu. Der Sprecher der Kassenärztlichen Bundesvereinigung, Roland Stahl, sagte der Zeitung: „Der Betrug mit den Karten hat ungeahnte Dimensionen erreicht.“ In den vergangenen sechs Jahren sei ein Schaden von etwa fünf Milliarden Euro entstanden. Die Kassenärztliche Vereinigung Bayern soll bei einer Stichprobe auf eine Karte gestoßen sein, die in drei Monaten in 19 Städten bei 62 Ärzten vorgelegt worden sein soll.

Der Vorsitzende der Kassenärztlichen Vereinigung (KV) in Koblenz, Michael Kann, hat in seiner eigenen Praxis „bereits Versuche erlebt, wie sich Privatpatienten heimlich mit der Karte eines gesetzlich Versicherten behandeln lassen wollten“. Als Arzt könne er aber nur einschreiten, wenn er die betreffende Person kenne, sagte Kann der Zeitung. Auf der Kassenkarte ist kein Foto des Versicherten abgebildet. Kann geht davon aus, dass der Betrug „in Tausenden anderen deutschen Arztpraxen vorkommt“.

Das Berliner Gesundheitsministerium verwies auf die für 2006 geplante elektronische Gesundheitskarte, mit der solcher Missbrauch verhindert werde. Die Kartei wird fälschungssicher ausgestaltet sein, zudem ist auf ihr ein Foto des Versicherten abgebildet, so Ministeriumssprecher Klaus Vater. Er nannte es „etwas verwunderlich“, dass die Kassenärztliche Vereinigung „in den vergangenen Jahren nicht den Finger gehoben“ hätte, wenn der nun angeprangerte Missbrauch tatsächlich solche Schäden verursache. cir/dpa

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