Politik : Kassenfinanzierung: Privatvorsorge oder gesünder leben

Die Krankenkassen sollen entlastet werden. Das haben sowohl Gesundheitsministerin Ulla Schmidt (SPD) als auch der Marburger Bund gefordert. Allerdings stellen sich die Ministerin und die Ärzte den Weg dahin höchst verschieden vor. Während Frank Ulrich Montgomery, Vorsitzender des Marburger Bunds, im Deutschlandfunk mehr Privatvorsorge forderte, also letztlich mehr Geld fürs System, schlug Schmidt eine "Werbekampagne" für ein gesundes Leben vor.

Schmidt sagte am Sonntag in Erlangen zum Abschluss des Kongresses "Medizin und Gewissen", dass Prävention und Eigenverantwortung der Patienten gestärkt werden müssten. Schmidt warnte vor einer Aushöhlung der Solidargemeinschaft. Diese beinhalte, dass die Gemeinschaft eintrete, wenn es einem Mitglied schlecht gehe. Der Einzelne müsse aber alles dafür tun, die Gemeinschaft so wenig wie möglich zu belasten. Schmidts Hintergedanke: Wer gesund ist, muss die Leistungen der Krankenkassen nicht in Anspruch nehmen. Deshalb will die Ministerin die Gesundheitsvorsorge stärken. Wer sich mehr bewegt, sich besser ernährt und auf körperliche Fitness achtet, kostet die Soliardargemeinschaft, also die gesetzlichen Krankenkassen, weniger.

Ganz anders Montgomery. Der Verbandschef der angestellten Ärzte sagte, die Qualität des deutschen Gesundheitswesens bleibe auf Dauer nur finanzierbar, wenn jeder einzelne das Krankheitsrisiko verstärkt privat absichere. Nach dem Vorbild der Rentenreform müsse ein Krankenversicherungssystem aufgebaut werden, "das den jungen Menschen von heute und den Rentnern der Zukunft die Chance gibt, ihre eigene kapitalgedeckte Krankenversicherung aufzubauen". Notwendig sei eine Abkehr vom derzeitigen umlagefinanzierten System "hin zu einem Prämien orientierten Krankenversicherungssystem, das sehr viel mehr privatwirtschaftliche Anteile hat", meinte Montgomery.

Der CDU-Sozialexperte Andreas Storm forderte angesichts der demographischen Entwicklung Altersrückstellungen für die Kranken- und Pflegeversicherung. Anderenfalls drohten den heutigen Arbeitnehmern im Alter horrende Beiträge oder sinkende Leistungen, sagte er dem "Focus".

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