Katar-Krise : Arabische Staaten drohen dem Emirat

Saudi-Arabien und drei weitere Kontrahenten des Emirats wollen neue Sanktionen gegen den unliebsamen Golfstaat verhängen.

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Ruhe bewahren. Das Emirat Katar will den Forderungen nicht nachkommen.
Ruhe bewahren. Das Emirat Katar will den Forderungen nicht nachkommen.Foto: AFP

Im Nahen Osten ist wenig von Dauer. Das gilt auch für den Konflikt zwischen Katar und vier arabischen Staaten. Noch am Mittwoch hieß es aufseiten der von Saudi-Arabien angeführten Boykott-Länder, man werde vorerst auf weitere Zwangsmaßnahmen gegen das kleine, gleichwohl umtriebige Emirat verzichten – nun stehen die Zeichen offenbar wieder auf Sturm. Dem Golf-Königtum wird mit neuen Sanktionen gedroht.

Denn nach wie vor weigert sich Katar, den harschen Forderungen seiner Kontrahenten nachzukommen – zum großen Ärger der Kritiker. In einer gemeinsamen Erklärung teilten Saudi-Arabien, die Vereinigten Arabischen Emirate, Bahrain und Ägypten jetzt mit, sie würden alle „notwendigen Maßnahmen“ ergreifen, „um unsere Rechte, Sicherheit, Stabilität und Interessen vor der aggressiven Politik (...) Katars zu schützen“. Das mit einem Ultimatum versehene Verhandlungsangebot vom 22. Juni sei damit hinfällig.

Seit vier Wochen gibt es eine Blockade

Allerdings wird nicht näher ausgeführt, womit Katar zu rechnen hat. Die mit saudischen Geld finanzierte arabische Zeitung „Al Hayat“ schrieb am Freitag, die vier Staaten könnten internationale Firmen, die in der Region aktiv sind, auffordern, die Zusammenarbeit mit Katar einzustellen. Demnach ist auch ein Stopp des Handels mit dem katarischen Dinar und eine Sperre katarischer Gelder denkbar.

Vor gut vier Wochen hatten die arabischen Länder überraschend eine Blockade gegen Katar verhängt. Die diplomatischen Beziehungen wurden umgehend abgebrochen, Verkehrsverbindungen fast komplett gekappt und die Grenzen geschlossen. Dieser Schritt gründete auf schweren Vorwürfen. Die Regierenden in Doha würden dschihadistischen Terror unterstützen und zu enge Beziehungen zum Iran pflegen.

Ein Vorwurf: Zu große Nähe zum Iran

Der schiitische Gottesstaat gilt als Erzrivale des sunnitischen Saudi-Arabien. Die vier Staaten verlangen unter anderem, dass Katar seinen populären TV-Nachrichtensender Al Dschasira schließt, die Verbindungen zu Teheran auf das Notwendigste zurückfährt und mit der islamistischen Muslimbruderschaft bricht. Darüber hinaus soll eine türkische Militärbasis geschlossen werden.

Doch bisher lassen die Katarer nicht erkennen, dass sie womöglich zum Einlenken bereit sind. Im Gegenteil. Die Vorwürfe werden als falsch zurückgewiesen, die Forderungen als unannehmbar bezeichnet. Sie würden in eklatantem Maße die Souveränität Katars untergraben. Beobachter gehen tatsächlich davon aus, dass das Emirat insbesondere für seine eigenständige Außenpolitik und eine zu große Nähe zum Iran gemaßregelt und auf Kurs gebracht werden soll.

US-Außenminister will vermitteln

Dennoch steht Katar im Verdacht, mit dem Geld von Privatleuten Terrorgruppen beispielsweise in Syrien zu finanzieren. Doch auch Saudi-Arabien gilt als Unterstützer des Islamismus. So ist das Königshaus in Riad einer neuen Studie zufolge der größte Förderer des ultrakonservativen Wahhabismus in Großbritannien.

Um die Katar-Krise zu entschärfen, will US-Außenminister Rex Tillerson Anfang nächster Woche in die Region reisen. Er wird am Montag nach Kuwait fliegen, das in dem Konflikt vermittelt. Tillerson hatte schon zu Beginn des Konflikts ein Ende der Blockade gefordert und gleichzeitig an Katar appelliert, die Anliegen seiner arabischen Gegner ernst zu nehmen. (mit dpa)

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