Katastrophe in Somalia : Islamische Welt will helfen

Die islamische Welt will die humanitäre Hilfe für die Opfer der Dürre und der Gewalt in Somalia nicht allein den UN und dem Westen überlassen. Vor allem im Ramadan sollten Muslime andere Menschen unterstützen.

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27.07.2011: Bei einer Geberkonferenz an diesem Mittwoch sollen 1,6 Milliarden Euro für die Hungernden in Ostafrika eingeworben werden. Die erste Maschine konnte wegen Zollproblemen nicht starten
27.07.2011: Bei einer Geberkonferenz an diesem Mittwoch sollen 1,6 Milliarden Euro für die Hungernden in Ostafrika eingeworben...Foto: AFP

Bei einer Konferenz in Istanbul appellierte der Generalsekretär der Islamischen Konferenz-Organisation (IKO), Ekmeleddin Ihsanoglu, an Muslime in aller Welt, sich für die Menschen am Horn von Afrika zu engagieren. Ihsanoglu verwies auf den kommende Woche bevorstehenden Beginn des Fastenmonats Ramadan, in dem die Mildtätigkeit für Muslime eine besondere Rolle spielt. Gegen die Gewalt in Mogadischu ist aber auch die IKO machtlos.

Gegenüber manchen westlichen Organisationen hat die IKO in Somalia einen Vorteil: Sie hat die Erlaubnis der radikal-islamischen Al-Shabbab-Rebellen, die große Teile des Landes kontrollieren, in Somalia Hilfsgüter zu verteilen. Dagegen waren die Vertreter des Welternährungsprogramms (WFP) der Vereinten Nationen im vergangenen Jahr von Al Shabbab aus dem Land verwiesen worden. Die IKO verfügt über ein Büro in Mogadischu und führte in den vergangenen Tagen Gespräche in der somalischen Hauptstadt, um einen möglichst reibungslosen Ablauf der geplanten Hilfslieferungen zu garantieren. Wegen der schlimmsten Dürre seit 60 Jahren und anhaltenden Gefechten in Somalia sind mehrere Millionen Menschen am Horn von Afrika vom Hungertod bedroht. Die Muslime wollen sich in dieser Situation nicht den Vorwurf der Tatenlosigkeit einhandeln und gemeinsam vorgehen. Ihsanoglu forderte in Istanbul die Einrichtung einer möglichst breiten Hilfskoalition unter dem Dach der IKO. An der Konferenz am Bosporus nahmen unter anderem der türkische Rote Halbmond sowie Vertreter von Hilfsorganisationen aus Saudi-Arabien, Katar, Kuwait und anderen muslimischen Ländern teil. Insbesondere im Ramadan, „dem Monat der Großzügigkeit und der Hilfsbereitschaft“, sollten die Muslime den Menschen in Somalia helfen, sagte Ihsanoglu. Das betreffe Regierungen sowie Organisationen der Zivilgesellschaft und einzelne Wohltäter.

Hungersnot am Horn von Afrika
Geschafft: Halema Mussel ist endlich im Lager angekommen. Viele Menschen schaffen es jedoch nicht, Somalia zu verlassen um Hilfe zu suchen.Weitere Bilder anzeigen
1 von 25Ingrid Müller
29.07.2011 22:50Geschafft: Halema Mussel ist endlich im Lager angekommen. Viele Menschen schaffen es jedoch nicht, Somalia zu verlassen um Hilfe...

An die Kontrahenten im blutigen Machtkampf in Somalia appellierte der IKO-Chef, sie sollten im Ramadan eine Feuerpause beachten und „ausnahmslos“ allen Organisationen den Zugang zu den Hungernden gewähren. Ob Ihsanoglus Aufruf großen Eindruck auf die Al-Shabbab-Rebellen machen wird, ist nicht sicher. Am Donnerstag wurden aus Mogadischu erneut schwere Gefechte gemeldet.

Einige türkische Hilfsorganisationen sind dennoch in Somalia vertreten, darunter die Stiftung für Menschenrechte, Freiheit und Humanitäre Hilfe, die im vergangenen Jahr unter ihrem Kürzel IHH weltbekannt wurde: Neun IHH-Aktivisten starben bei einem Angriff israelischer Soldaten auf eine Flottilla mit Hilfsgütern für den Gaza-Streifen. Israel sieht die IHH als islamistische Extremistentruppe, ein Vorwurf, den die Organisation zurückweist.

Zwei Teams der IHH sind derzeit in Somalia und Kenia aktiv und verteilen Hilfsgüter, wie ein Sprecher der Organisation dem Tagesspiegel sagte. Am Donnerstag erklärte die IHH zudem, sie schicke 3000 Tonnen an Hilfsgütern per Schiff nach Somalia. Der IHH-Helfer Recep Güzel berichtete auf der Website der Gruppe aus Mogadischu, das Leid der Menschen in Somalia sei unbeschreiblich. „Ich habe an vielen Hilfseinsätzen in Krisenregionen in aller Welt teilgenommen“, schrieb Güzel. „Aber so etwas habe ich in meinem ganzen Leben noch nicht gesehen. Die Leute sterben auf offener Straße.“

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