Katastrophengefahr : Senatorin empfiehlt Einbau von Rauchmeldern

Nach der Brandkatastrophe von Berlin-Moabit mit neun Toten dringt die Bauverwaltung nun auf einen besseren Brandschutz.

Berlin (18.08.2005, 14:31 Uhr) - Stadtentwicklungssenatorin Ingeborg Junge-Reyer (SPD) appellierte am Donnerstag an Grundeigentümer und Mieter, Rauchmelder in ihren Häusern und Wohnungen einzubauen. Gesetzliche Pflicht soll der Einbau aber nicht werden. «Wir glauben, dass zu viel Bürokratie entstehen würde, wenn wir Rauchmelder vorschreiben», sagte Verwaltungssprecherin Manuela Damianakis der dpa. «Deshalb setzen wir auf Freiwilligkeit.»

Im Abgeordnetenhaus wird gegenwärtig über eine Novelle der Berliner Bauordnung beraten. Ein Rauchmelderpflicht soll nach Vorstellung Junge-Reyers aber nicht in der neuen Bauordnung verankert werden. «Denn unser Ziel ist es ja gerade, die Bauordnung von unnötiger Bürokratie zu entschlacken», sagte Damianakis.

Stattdessen hat die Senatorin für den 29. August rund 20 Verbände der Wohnungswirtschaft, Mieterorganisationen, Versicherungen sowie Industrievertreter zu einem Runden Tisch eingeladen. Außer über Rauchmelder soll dann laut Damianakis auch darüber gesprochen werden, wie Informationen über Brandschutz und richtiges Verhalten bei Feuer am besten verbreitet werden können.

SPD, PDS und Grüne hatten mit Blick auf die Moabiter Brandkatastrophe angeregt, Hausbesitzer zur Vorbeugung stärker in die Plicht zu nehmen. Die Grünen plädieren für eine Rauchmelderpflicht, wie sie andere Ländern wie etwa Großbritannien, Schweden oder die USA längst vorschreiben. Auch in den Bauordnungen einiger bundesdeutscher Länder haben Rauchmelder inzwischen Eingang gefunden. In Deutschland sind nach Darstellung der Grünen nur sieben Prozent der Häuser mit einem solchen Gerät ausgestattet.

Die Berliner Feuerwehr fordert schon seit langem einen Einbau von Rauchmeldern in allen Gebäuden, um Alarmierungszeiten zu verkürzen und Fluchtchancen zu erhöhen. Nach den Worten von Feuerwehrchef Albrecht Broemme sollten zumindest in Hausfluren solche Geräte jeweils in der ersten Etage sowie unter dem Dachboden installiert werden.

Rauchmelder sind in Baumärkten schon für wenige Euro zu kaufen. Sobald sie Qualm registrieren, senden sie einen durchdringenden Piepton aus. Etwa alle halbe Jahr ist ein Batteriewechsel fällig. Nicht wenige Eigentümer von Mietshäusern verzichten auf Rauchmelder, weil sie einen permanenten Diebstahl dieser Geräte aus Hausfluren befürchten, was lästige Kosten verursacht. (tso)

» Gratis: Tagesspiegel + E-Magazin "Wahl 2017"

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben