Politik : Katholiken begehren gegen Papstwort zur Abtreibung auf

BEATRICE WEIZSÄCKER

ZdK-Vorsitzender: Ausstieg aus der Beratung wäre unterlassene Hilfeleistung / Brief bereits bei LehmannVON BEATRICE VON WEIZSÄCKER BERLIN.Der Widerstand gegen die erwartete Weisung des Papstes an die deutschen Bischöfe, aus dem gesetzlichen System der Schwangerschaftsberatung auszusteigen, wächst.Eindringlich warnten das Zentralkomitee der deutschen Katholiken (ZdK), amtskritische Katholiken sowie Politiker davor, einer solchen Weisung zu folgen.Dies käme einer unterlassenen Hilfeleistung gleich, sagte der Vorsitzende des ZdK, Hans Joachim Meyer, am Mittwoch in Bonn.Wie der Tagesspiegel aus obersten Kirchenkreisen erfuhr, liegt der Brief des Papstes dem Vorsitzenden der Deutschen Bischofskonferenz, Bischof Karl Lehmann, bereits vor. Der Brief von Johannes Paul II.wird am Dienstag veröffentlicht.Wenn sich die deutschen Bischöfe an die Weisung halten, werden die rund 260 katholischen Einrichtungen zwar weiter beraten, aber keine für einen straffreien Abbruch erforderlichen Beratungsscheine mehr ausstellen dürfen. Der Vorsitzende des ZdK, der Laienorganisation der katholischen Kirche, sagte: "Durch die Beteiligung katholischer Beratungsstellen an der Schwangerschaftskonfliktberatung auf gesetzlicher Grundlage ist jährlich Tausenden von Kindern das Leben gerettet worden.Wenn wir anders handeln würden, käme dies einer unterlassenen Hilfeleistung gleich." Diese Position vertrete das ZdK seit Jahren "in engstem Schulterschluß mit der Deutschen Bischofskonferenz".Zugleich betonte Meyer, daß das gesetzliche Konzept des Lebensschutzes in Deutschland in der Unbedingtheit des Ziels, das ungeborene Kind zu schützen, "im Weltvergleich singulär" sei.Auch das Erzbistum Berlin würde einen Ausstieg der Kirche aus der gesetzlichen Schwangerenberatung "bedauern", wie ein Sprecher sagte. Massiven Widerstand gegen den befürchteten Ausstieg aus der staatlichen Schwangerschaftsberatung zeigten amtskritische Katholiken.Die Initiative "Wir sind Kirche" rief zu einer "Brief-, Telefon- und Faxaktion" auf, mit der die Bischöfe aufgefordert werden sollen, auch in Zukunft Schwangerenkonfliktberatung anzubieten.Der Tübinger Theologe Hans Küng sagte im Inforadio Berlin-Brandenburg, die deutschen Bischöfe sollten angesichts der Papstweisung "ihrem Gewissen folgen" und sagen: "Das können und werden wir nicht durchführen." Auch Küngs Tübinger Kollege Norbert Greinacher plädierte für kirchlichen Ungehorsam in dieser Frage: "Protestieren wir so laut und deutlich wie wir können", sagte Greinacher im Südwestfunk.Mehrere Bischöfe dementierten derweil einen Bericht, sie wollten gegen das Papstwort Widerstand leisten.Erneut appellierten Politiker aus dem ganzen Parteienspektrum an die Kirche, nicht aus dem Beratungssystem auszusteigen.

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