Katholische Kirche : Bischöfe einigen sich auf neue Leitlinien gegen Missbrauch

Nach langen und kontroversen Diskussionen haben die 27 katholischen deutschen Ortsbischöfe am Montag eine neue Version ihrer „Leitlinien für den Umgang mit sexuellem Missbrauch Minderjähriger durch Geistliche“ verabschiedet.

Berlin -Den genauen Inhalt wollen sie kommende Woche vorstellen. Strittig war offenbar bis zuletzt, wie man eine grundsätzliche Anzeigepflicht bereits bei einem Anfangsverdacht einführen und gleichzeitig den Schutz der Opfer wahren könne. So soll es nun Ausnahmen geben, wenn durch die Anzeige eine zweite Traumatisierung des Opfers befürchtet wird.

Die alte Fassung der Richtlinien von 2002 sah lediglich vor, dass „gegebenenfalls das Gespräch mit der Staatsanwaltschaft gesucht“ wird, wenn innerkirchliche Ermittlungen den Verdacht bestätigt haben und der Vatikan sich mit dem Fall beschäftigt hat. Die neue Fassung soll auch strengere Regeln für den Umgang mit den Tätern enthalten und die Aufgaben der Missbrauchsbeauftragten in den Bistümern klar beschreiben. Die Leitlinien, die neuen wie die alten, haben keinen kirchenrechtlich verpflichtenden Charakter. Hält sich ein Bistum nicht daran, gibt es keine Handhabe dagegen.

Die Bischöfe diskutieren auch verstärkt über finanzielle Entschädigung von Missbrauchsopfern. Noch vor der nächsten Sitzung des Runden Tisches „Sexueller Kindesmissbrauch“ bei der Bundesregierung Ende September wollen sich die Bischofskonferenz und die Orden auf einen Vorschlag einigen, sagte der Sprecher der deutschen Jesuiten am Montag dem Tagesspiegel. clk

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