Katholische Kirche : Bischöfe gehen auf Distanz zu Holocaust-Leugner Williamson

Die Deutsche Bischofskonferenz hat sich von den Äußerungen des britischen Bischofs Richard Williamson zum Ausmaß des Holocausts distanziert. Die Leugnung des Holocausts sei inakzeptabel und gehöre nicht zur Lehre der katholischen Kirche, sagte der Sprecher der Deutschen Bischofskonferenz, Matthias Kopp, am Montag im ZDF.

Bonn/Rom/RegensburgWilliamson ist einer von vier Bischöfen der ultratraditionalistischen Bruderschaft Pius X., deren Exkommunikation Papst Benedikt XVI. am Samstag nach mehr als 20 Jahren wieder aufgehoben hatte. „Williamson wird früher oder später seine Äußerungen zurückziehen müssen“, sagte Kopp. Der Vatikan werde aufmerksam beobachten, wie sich Bischof Williamson künftig äußere.

Auch das Zentralkomitee der deutschen Katholiken (ZdK) zeigte sich entsetzt über die „skandalöse Leugnung der Verbrechen am jüdischen Volk“ durch Williamson. ZdK-Präsident Hans Joachim Meyer sagte, Personen wie Williamson seien „eine schwere Belastung für die Kirche“.

Erneut ging auch der Vatikan auf Distanz. Solche „dummen“ Äußerungen seien unannehmbar, sagte Kurienkardinal Walter Kasper. „Den Holocaust zu leugnen, ist absolut nicht die Position der katholischen Kirche“, erklärte Kasper der Zeitung „La Repubblica“. Die Rücknahme der Exkommunikation der vier Bischöfe und die Äußerungen des einen von ihnen seien zwei unterschiedliche Fragen. Die Aufhebung der Exkommunikation solle die Einheit der Kirche fördern, betonte der Kardinal. Er äußerte zugleich Verständnis für jüdische Irritationen über die Rehabilitierung von Williamson, gegen den in Regensburg ein Verfahren wegen Holocaustleugnung läuft.

In einem Fernsehinterview hatte Bischof Williamson gesagt, historische Fakten sprächen gegen die Existenz von Gaskammern. Es seien nicht sechs Millionen Juden von den Nazis ermordet worden, sondern 200 000 bis 300 000 – aber keiner von ihnen in Gaskammern. dpa

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