Katholische Kirche : Die Schafe sind bockig

Das Zentralkomitee der Katholiken verschiebt die Wahl des Präsidiums – und hadert mit den Bischöfen.

Benjamin Lassiwe

Berlin - Als sich am Freitag die Mitglieder des Zentralkomitees der Deutschen Katholiken (ZdK) zu ihrer Frühjahrsvollversammlung trafen, war die Atmosphäre aufgeladen. Traurigkeit, Wut und Trotz prägten die Tagung in der Katholischen Akademie Berlin. Eigentlich sollte auf der Versammlung ein neues Präsidium gewählt werden. Doch nachdem die Deutsche Bischofskonferenz vor reichlich zwei Wochen den einzigen Kandidaten für die Nachfolge des scheidenden Präsidenten Hans Joachim Meyer, den hessischen Bildungsstaatssekretär Heinz-Wilhelm Brockmann, nicht mit der nötigen Zwei-Drittel-Mehrheit bestätigt hatte, entschied nun die große Mehrheit der 230 ZdK-Mitglieder, die Wahlen auf November zu verschieben. Bis dahin sollen Gespräche mit den Bischöfen stattfinden, damit auf beiden Seiten neues Vertrauen wachsen kann.

Im holzgetäfelten Saal der Akademie schlugen die Emotionen hoch: Der in Uniform ans Mikrofon tretende Bundeswehrgeneral Karl-Heinz Lather sagte, er fühle sich nach der Entscheidung der Bischöfe wie ein „dummes Schaf“. Der Bamberger Delegierte Bernhard Mauser sprach von einer „katholischen Scharia“. Und auch ZdK-Präsident Hans-Joachim Meyer sagte, die Ablehnung Brockmanns habe das ZdK „wie ein Schlag“ getroffen. „Das Zentralkomitee der deutschen Katholiken befindet sich in einer Situation wie noch nie in seiner bald 150-jährigen Geschichte“, sagte Meyer. Allerdings habe die einfache Mehrheit der Bischöfe für Brockmann gestimmt. „Darum gibt es auch keinen Konflikt zwischen dem Zentralkomitee und den Bischöfen“, bemühte sich Meyer um Schadensbegrenzung.

Viele Delegierte sahen das anders. Bundestagsvizepräsident Wolfgang Thierse (SPD) sprach von einem Affront, den das ZdK abzuwehren habe. Die frühere bündnisgrüne Bundestagsabgeordnete Christa Nickels wünschte sich sogar den konservativen Erzbischof von Fulda, Johannes Dyba, zurück: „Der war in seiner Ablehnung der Laien wenigstens ehrlich.“ Mit lautstarkem Applaus begrüßten die ZdK-Mitglieder die Ankündigung Brockmanns, im Herbst erneut zur Wahl anzutreten: „Ich bin nicht vom Ehrgeiz zerfressen, ich muss nicht ZdK-Präsident werden – aber ich mache mich auch nicht aus dem Staub, solange Sie es nicht wollen.“

Fast zur Nebensache geriet da der Auftritt des prominentesten Gastes der diesjährigen Frühjahrsvollversammlung. Bundestagspräsident Norbert Lammert (CDU) sprach über die Bedeutung von Wahlen für die Demokratie. In einer Erklärung riefen die Delegierten zur Beteiligung an der Bundestagswahl auf.

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