Katholische Kirche : Entschädigung für Missbrauchsopfer? Im Prinzip ja

Auf ihrer Herbst-Vollversammlung haben die katholischen Bischöfe Deutschlands über die Zukunft der Kirche beraten. Entschädigungszahlungen für Missbrauchsopfer sollen möglich werden, konkrete Summen wurden aber nicht genannt.

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Eine Pförtnerin im Glaskasten wacht über den Eingang zum Fuldaer Priesterseminar. Mit einem elektrischen Türöffner entscheidet sie, wer in die Kreuzgänge und den rasengrünen Innenhof des barocken Gebäudeensembles gelassen wird. Dicke Mauern erschweren den Handyempfang – wer telefonieren will, muss nach draußen gehen. Abgeschieden von der Welt bildet die katholische Kirche ihren Nachwuchs aus. Abgeschieden von der Welt treffen sich hier auch die 67 katholischen Bischöfe Deutschlands, um in den nichtöffentlichen Sitzungen ihrer Herbst-Vollversammlung über die Zukunft der Kirche zu beraten.

Eine Zukunft, die auch Entschädigungen für Missbrauchsopfer beinhalten könnte. „Wir sind dazu bereit“, sagte der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz (DBK), Freiburgs Erzbischof Robert Zollitsch. „Wir wollen eine Selbstverpflichtung eingehen, die über bislang erbrachte Hilfen hinausgeht.“ Doch zur Höhe der Entschädigungen oder die Zahl der Opfer, die davon profitieren würde, wollte er sich nicht äußern. Zollitsch und der Missbrauchsbeauftragte der DBK, der Trierer Bischof Stephan Ackermann, verwiesen auf die in der nächsten Woche stattfindende Sitzung des Runden Tischs der Bundesregierung, bei dem die katholische Kirche einen Vorschlag, „der viele einbezieht und der ganzen Gesellschaft dienen soll“, einbringen will. Direkte Gespräche der Bischofskonferenz mit einzelnen Opfergruppen, etwa mit den Mitgliedern des „Eckigen Tischs“ der Jesuitenopfer lehnte der DBK-Generalsekretär, Pater Hans Langendörfer, hingegen ab. „Was an den Jesuitenschulen passiert ist, soll auch mit den Jesuiten besprochen werden“, sagte Langendörfer. Die Bischofskonferenz habe etwa über ihre Telefonhotline Kontakt zu Missbrauchsopfern. Bislang hätten sich dort 3000 Menschen gemeldet, sagte Ackermann. Allerdings riefen nur noch etwa 60 Personen pro Woche bei der Hotline an, die Zahl der Mitarbeiter sei von 20 auf vier reduziert worden.

In der historischen Bibliothek der theologischen Fakultät stellten die Bischöfe auch eine neue „Rahmenordnung zur Prävention von sexuellem Missbrauch an Minderjährigen“ vor. „Ihr Ziel ist es, alle Personen im kirchlichen Bereich zu sensibilisieren und zu befähigen, Hinweise auf sexuellen Missbrauch zu erkennen und mit diesen angemessen umzugehen“, sagte Ackermann. Die Kirche wolle dafür ein „transparentes, nachvollziehbares und kontrollierbares“ Qualitätsmanagement schaffen. Klare Regeln für ein „fachlich adäquates Nähe-Distanz-Verhältnis“ zwischen Mitarbeitern und Kindern sollten dazu ebenso beitragen wie „die Prävention von sexuellem Missbrauch als Thema bei der Personalauswahl“.

Außerhalb des Priesterseminars protestierten die Gläubigen: Vertreter der Reformgruppe „Wir sind Kirche“ übergaben 12 000 Unterschriften gegen den Zölibat an den Generalsekretär der Bischofskonferenz. Die Entscheidungen der Bischöfe sahen sie kritisch: Mit dem Verzicht auf konkrete Entschädigungsangebote für Missbrauchsopfer hätten die Bischöfe eine Chance vertan, sagte der Sprecher des „Wir sind Kirche“-Bundesteams, Christian Weissner.

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