Katholische Kirche : Justizministerin empört über Piusbrüder

Ultrakonservative Katholiken vergleichen Homosexuelle mit Nazis. Justizminnisterin Zypries findet das unerträglich. Sie fordert die katholische Kirche auf, sich klar von der Piusbruderschaft zu distanzieren.

Claudia Keller,Marc Mudrak

Berlin - Da platzte Bundesjustizministerin Brigitte Zypries (SPD) doch der Kragen. Was die Piusbruderschaft in ihrem aktuellen Mitteilungsblatt über Homosexuelle verbreite, sei „unerträglich“, sagte die Ministerin am Donnerstag bei einer „Konferenz gegen die Verbreitung von Hass im Internet“. „Im Umgang mit solch religiösen Extremisten muss das Gleiche gelten wie im Umgang mit Rechtsextremisten“, hatte Zypries bereits am Montag gefordert. Die Piusbrüder hätten die Opfer des Nationalsozialismus beleidigt und Homosexuelle diffamiert. „Die Kirche darf nicht dulden, dass unter ihrem Dach oder auch nur in ihrem Halbschatten solche Fanatiker ihr Unwesen treiben können.“

Anlass für ihre Empörung ist ein Aufruf der ultrakonservativen Piusbruderschaft, am 1. August gegen die geplante Feier des Christopher-Street-Days (CSD) in Stuttgart zu demonstrieren. Das Fest der Homosexuellen sei eine „perverse Veranstaltung“, deren tiefere Gründe in der „Männerkrankheit des Individualismus“ lägen, schreibt ein Piusbruder im aktuellen Rundbrief der Gemeinschaft. Die Piusbrüder sollten gegen diese „offene Propagierung der sodomitischen Sünden“ kämpfen. Der Autor geht aber noch weiter und vergleicht den Widerstand gegen den CSD mit dem Widerstand der katholischen Kirche in der Zeit des Nationalsozialismus: „Wie stolz sind wir, wenn wir in einem Geschichtsbuch lesen, dass es im Dritten Reich mutige Katholiken gab, die sagten: ’Wir machen diesen Wahnsinn nicht mit!’. Ebenso muss es heute wieder mutige Katholiken geben.“

Schon in den vergangenen Jahren erregten Piusbrüder in ihren schwarzen Sutanen Aufsehen beim CSD in Stuttgart, wo auch die Deutschlandzentrale der Bruderschaft liegt. „Aidsgeißeln Gottes“ stand auf den Schildern, die sie den Teilnehmern des Umzuges entgegenhielten.

„Die haben uns auch schon in die Nähe von Pädophilen gerückt“, sagt Christoph Michl vom Stuttgarter CSD-Organisationsteam. Der Vergleich mit den Nazis sei „unhaltbar“ und eine weitere Verschärfung. „Deshalb haben wir Strafanzeige wegen Volksverhetzung gegen die Piusbrüder gestellt“, sagt Michl. Die Staatsanwaltschaft prüft die Anschuldigungen. Unter den Homosexuellen hätten die verbalen Angriffe der Piusbrüder beträchtliche Wut ausgelöst, sagt Michl. Deshalb fürchten die Veranstalter des CSD Zusammenstöße mit den Traditionalisten beim Umzug am 1. August. „Die Stadt sollte prüfen, ob sie die Pius-Kundgebung an einen anderen Ort verlegt“, sagt Christoph Michl.

Die katholische Kirche müsse einen klaren Trennungsstrich gegenüber den Piusbrüdern ziehen, fordert Bundesjustizministerin Zypries. Stattdessen legte der römische Kurienkardinal Walter Kasper nach. Gegenüber der „Rheinischen Post“ erklärte er, dass die katholische Kirche den Einzelnen zwar respektiere, aber wenig Verständnis für das „Zur-Schau-Stellen“ und die „Propaganda“ des Christopher-Street-Days habe. „Homosexuelle wurden von den Nazis verfolgt, deshalb ist der Vergleich absolut inakzeptabel“, sagt Thomas Broch, der Sprecher der Diözese Rottenburg-Stuttgart. Aber auch er kann die „Zur-Schau-Stellung“ der Homosexualität während des CSD „nicht nachvollziehen“. Im Übrigen habe die Diözese keinen Einfluss auf die Piusbrüder. Man habe keinen Kontakt, weder institutionell noch persönlich. Daran habe auch die teilweise Aufhebung der Exkommunikation der Bruderschaft durch Papst Benedikt XVI. im Januar nichts geändert.

Die deutschen Bischöfe hatten scharf kritisiert, dass die Piusbrüder in den vergangenen Wochen in den USA, in der Schweiz und im bayerischen Zaitzkofen Priester geweiht haben. Trotz der Aufhebung der Exkommunikation ist ihnen die Priesterweihe kirchenrechtlich untersagt. Benedikt XVI. schweigt dazu. In einem am Mittwoch veröffentlichten „Motu propriu“ betonte er erneut, dass er den Piusbrüdern „besondere väterliche Sorge“ zeigen wolle. Die Rücknahme der Exkommunikation von vier Bischöfen der Piusbruderschaft, darunter der Holocaust-Leugner Richard Williamson, hatte im Januar weltweit Empörung ausgelöst.

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