Katholische Kirche : Mit Herz und Protokoll

Die katholische Bischofssynode beginnt im Streit und mit Wortklauberei - Papst Franziskus versucht die Gemüter zu beruhigen.

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Papst Franziskus eröffnet am 4. Oktober 2015 die Weltbischofssynode zu Ehe und Familie mit einem Gottesdienst im Petersdom.
Papst Franziskus eröffnet am 4. Oktober 2015 die Weltbischofssynode zu Ehe und Familie mit einem Gottesdienst im Petersdom.Foto: KNA

Mit merklich konservativer Schlagseite hat im Vatikan die Bischofssynode zu Ehe und Familie begonnen. Während Papst Franziskus in seiner Eröffnungsansprache an die etwa 400 Kardinäle, Bischöfe, Ordensleute und Experten vor einer „Verhärtung der Herzen“ und davor warnte, die Kirche zu einem „Museum der Erinnerungen“ zu machen, fiel just der General-Berichterstatter, der ungarische Kardinal Peter Erdö, in alte Lehrpositionen zurück – als hätte es weder die Impulse von Franziskus noch die durchaus offene Diskussion bei der ersten Synodenrunde vor einem Jahr gegeben. Auf die Frage, ob man denn weiter sei als damals, sagte der Münchner Erzbischof, Kardinal Reinhard Marx, am Abend des ersten Diskussionstages nur ein Wort: „Nein.“

Eigentlich sollte Erdö als „Relator“ zu Beginn der Beratungen nur das Protokoll des bisherigen Geschehens verlesen. Gerade bei einem Reizthema aber, der Zulassung wiederverheirateter Geschiedener zu den Sakramenten, ging er darüber hinaus und schlug die von Franziskus geöffneten Türen erst einmal wieder zu. Die gewünschte Einbeziehung solcher Personen – die laut kirchlicher Lehre „im fortgesetzten Zustand schwerer Sünde“ leben – lasse sich in den Kirchengemeinden „in verschiedenen Formen, abseits von der Zulassung zur Kommunion“, verwirklichen, sagte Erdö.

Der Berichterstatter veruscht, im Protokoll einige konservative Akzente zu setzen

Die konservativen Positionen seines Berichtes, erklärte sich Erdö, habe er „mit mathematischer Sicherheit“ aus den Debatten der ersten Synode und den innerkirchlichen Wortmeldungen seither gewonnen. Doch wo der Papst „Barmherzigkeit“ gegenüber irrenden Sündern und deren Gewissen verlangte, strich Erdö die „giustizia“, die „Gesetzmäßigkeit“, heraus, die nicht durch „subjektive Kriterien“ infrage gestellt werden könne.

Und an zumindest einer Stelle zitierte der Kardinal falsch. Hieß es im ohnehin schon konservativ eingefärbten Arbeitspapier der Synode noch: „Einige Bischöfe schlagen vor“, in der einschlägigen Sündenfrage die Lehrdokumente von Johannes Paul II. und den Weltkatechismus zu beachten, so „zitierte“ Erdö in verallgemeinernder Wendung, so als sei dies breiter Konsens: „Es ist nützlich“, diese Dokumente zu beachten.

Diskussion erwünscht: „Wir sind nicht hier, um nichts zu sagen.“

Überhaupt ist die Stimmung angespannt: Während deutsche Synodenteilnehmer nach der ersten Verärgerung beruhigten, das auf drei Wochen angelegte Treffen stehe „ja erst ganz am Anfang“, so machte sich der Pariser Kardinal André Vingt-Trois in der mittäglichen Pressekonferenz über die Journalisten lustig: „Wer hierher gekommen ist in der Erwartung, die Kirche werde ihre Lehre ändern, wird enttäuscht nach Hause gehen.“ Zwar erwiderte der italienische Erzbischof Bruno Forte als Mitglied der Synodenleitung sofort: „Wir sind aber auch nicht hier, um nichts zu sagen.“

Am Ende war es wieder einmal Franziskus, der die aufziehende Gewitterstimmung beruhigte: Sein übliches, ruhiges Zuhören unterbrechend, sagte er den Bischöfen am Dienstag, die wiederverheirateten Geschiedenen seien schließlich „nicht das einzige Thema der Synode“. Und überhaupt: Bisher habe keiner, auch bei der durchaus offenen Debatte des vergangenen Jahres, „die kirchliche Lehre infrage gestellt“.

Das war ein unmissverständlicher Hinweis an die konservative Seite, die den Reformern um den deutschen Kardinal Walter Kasper – zugespitzt formuliert – bisweilen den katholischen Glauben als Ganzes abgesprochen hat. Wobei: Sagt nicht Kardinal Marx, es gebe „überhaupt keine verschiedenen Lager“ in der Kirche, das sei eine reine Erfindung der Medien?

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