Katja Kipping : Zeit für die erste Reihe

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Kipping

Katja Kipping hat ihre Lektion gelernt. Wenn sie in der Linkspartei was Größeres werden wolle, dürfe sie sich nicht von Parteiflügeln vereinnahmen lassen, hatte Gregor Gysi der stellvertretenden Parteivorsitzenden geraten. Dass sie ihr Buch „Ausverkauf der Politik“ am Vorabend des Parteitages von zwei exponierten Flügelvertreterinnen vorstellen ließ, schien so folgerichtig: Die Reformerin Caren Lay, Landtagsabgeordnete aus Sachsen, und NRW-Landeschefin Katharina Schwabedissen, Aktivistin der Antikapitalistischen Linken, teilten sich die Reklame – auch dafür, dass sich Frauen den „Männerbünden in der Linken entgegenstellen“.

Im kommenden Jahr tritt Lothar Bisky, am 7. Juni ins Europaparlament gewählt, als Parteichef ab. Die Satzung sieht vor, dass auf dem nächsten Bundesparteitag nur noch ein Parteivorsitzender gewählt wird, das wäre das Ende der Doppelspitze mit Oskar Lafontaine. Wird der Saarländer dann alleiniger Chef? Oder wird die Satzung noch geändert? „Nicht im Ernst“ will Fraktionschef Gysi jetzt über diese Frage reden. Lafontaine sagte im „Neuen Deutschland“: „In der Satzung steht, glaube ich, einer. Aber das werden wir nach der Bundestagswahl diskutieren.“

Ambitionen auf das Spitzenamt haben viele, einen geborenen Nachfolger für Bisky – oder auch Lafontaine – gibt es nicht. Neben Kipping genannt werden auch Vize-Fraktionschefin Gesine Lötzsch, Bundesgeschäftsführer Dietmar Bartsch, der Linken-Spitzenkandidat in Thüringen, Bodo Ramelow und Dagmar Enkelmann, parlamentarische Geschäftsführerin der Fraktion. Kipping kann schlecht verbergen, dass sie die Herausforderung reizvoll findet. Sie verweist aber auf ihr Buch, in dem es auch um die „Wiederentdeckung der Langsamkeit“ geht: Darin würden „viele Gründe geliefert, warum man sich mit 32 nicht in die erste Reihe begeben muss“.

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