• Katrin Göring-Eckardt gegen Kerstin Andreae: Grüne vor Kampfabstimmung um neue Fraktionsspitze

Katrin Göring-Eckardt gegen Kerstin Andreae : Grüne vor Kampfabstimmung um neue Fraktionsspitze

Die Grünen wählen heute ihre neue Fraktionsführung. Der linke Kandidat ist gesetzt. Auf der anderen Seite treten zwei Frauen an, Katrin Göring-Eckardt und Kerstin Andreae. Das schafft Unsicherheit.

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Sie konkurrieren um die Fraktionsführung bei den Grünen: Katrin Göring-Eckardt und Kerstin Andreae
Sie konkurrieren um die Fraktionsführung bei den Grünen: Katrin Göring-Eckardt und Kerstin AndreaeFoto: dpa

Die Grünen stellen sich nach ihrem enttäuschenden Wahlergebnis personell neu auf. An diesem Dienstag wählen die 63 Bundestagsabgeordneten ihre beiden Vorsitzenden, die die Fraktion in die Wahl 2017 führen sollen. Der bisher einzige Kandidat des linken Flügels ist Anton Hofreiter. Der Biologe aus Bayern will die Nachfolge von Jürgen Trittin antreten. Während Hofreiter als gesetzt gilt, gibt es im Realolager Konkurrenz: Die bisherige Bundestagsvizepräsidentin Katrin Göring-Eckardt will als Fraktionschefin ebenso kandidieren wie die Wirtschaftspolitikerin Kerstin Andreae.

Die Kampfkandidatur der beiden Politikerinnen bringt vor allem die Realos in Bedrängnis. So gab es zwar im Vorfeld der Fraktionssitzung den Wunsch, sich auf eine Kandidatin festzulegen. Doch Göring-Eckardt ließ durchblicken, dass sie sich an ein Votum der Realos nicht halten würde. Sie habe vor der ganzen Fraktion ihre Kandidatur angekündigt und werde sich deshalb auch dort zur Wahl stellen, erklärte sie.

Göring-Eckardt hatte sich mit ihrem Auftreten als Spitzenkandidatin im Wahlkampf vor allem bei den Realos nicht nur Freunde gemacht. Ihre Kritiker werfen der Thüringerin vor, dass es ihr nicht gelungen sei, bürgerliche Wechselwähler für die Grünen zu gewinnen. Sie führen das auch darauf zurück, dass Göring-Eckardt vor allem mit dem Thema soziale Gerechtigkeit wahrgenommen wurde und kein Gegengewicht zu Trittin bildete. Während der bisherige Fraktionschef nach dem mageren Ergebnis von 8,4 Prozent seinen Rückzug aus der ersten Reihe bekannt gab, hatte Göring-Eckardt angekündigt, sie wolle den Neuaufbruch der Grünen mitgestalten.

Viele Realos sähen allerdings lieber Andreae an der Spitze der Fraktion. Die bisherige Vizefraktionschefin wirbt dafür, wieder Brücken zur Wirtschaft zu bauen. Die Energiewende müsse man zusammen mit den Unternehmen auf den Weg bringen, argumentiert Andreae. Bei einem internen Realo-Treffen vor anderthalb Wochen mit Vertretern aus Bund und Ländern bekam Andreae nach Berichten von Teilnehmern deutlich mehr Applaus als Göring-Eckardt, als sie ihre Kandidatur ankündigte.

Doch bei den Linken in der Fraktion kann Göring-Eckardt auf mehr Unterstützung hoffen – und sich womöglich mit deren Stimmen den Fraktionsvorsitz sichern. Auch das galt jedoch als unsicher, da es zahlreiche neue Abgeordnete in der Fraktion gibt. Vor einem Treffen der Realos in der Fraktion am Montagabend war unklar, ob der Flügel am Dienstag mit einer Kandidatin ins Rennen gehen will. Geplant sei deshalb zunächst eine Abstimmung über die Frage, ob es eine Probeabstimmung geben solle, hieß es vor dem Treffen. Offenbar haben einige Abgeordnete Bedenken, sich auf eine Person festzulegen. „Es gibt eine Scheu vor der Zuspitzung“, hieß es.

Absehbar ist allerdings eine weitere Personalie: Britta Haßelmann aus Nordrhein-Westfalen will den bisherigen Parlamentarischen Geschäftsführer Volker Beck ablösen, der dieses Amt seit 2002 innehatte und nun auf eine erneute Kandidatur verzichtet.

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