Politik : Katzenklo und Spiegeleier

Der Kanzler erklärt Kindern, wie er im Haushalt anpackt – und wovor er sich am liebsten drücken würde

Robert von Rimscha

Am Sonntag ist es so weit. Erstmals wird Gerhard Schröder daheim in Hannover das Katzenklo säubern. Das hat er versprochen, als er am Mittwoch der Kinder-Nachrichtensendung „logo“ höchstpersönlich zum 15. Geburtstag gratulierte. Er tat es mit einer Torte. Prompt kam die Frage, ob denn ein Kanzler auch backen könne. „Nein, ich kann auch nicht backen“, beschied ein gut gelaunter Schröder. Immerhin könne er kochen. Bratkartoffeln, Spiegeleier – und Gulasch. „Aber nur ich will das dann auch essen!“

Menschlich-Allzumenschliches, Macht zum Anfassen – das war der Sinn des fast einstündigen Kanzlerauftritts. 15 Kinder waren von der ZDF-Sendung „logo“ ausgewählt worden, die mal so richtig nachhaken durften. Sie taten es quer durch alle Themen. Armut und Arbeitslosigkeit sollten ebenso erklärt werden wie der Zustand der Koalition und das Einkommen eines Kanzlers.

Genau wisse er gar nicht, wie viel er verdiene, gesteht Schröder. Da müsse man seine Frau fragen. Rund 10 000 Euro seien es wohl. Ein langes „Oooohhhh!“ kommt eingedenk des eigenen Taschengeldes aus der Kinderschar. Ein Junge hakt nach: „Ich dachte, Sie verdienen 100 000?“ „Im Jahr!“, sagt Schröder. „Ich sprach ja über das Monatliche. 10 000 im Jahr wäre zu wenig.“

Was er denn von der heftigen Verulkerei seiner Person und seiner Arbeit durch allerlei Comedy-Personal halte, wollen die Kinder wissen. Die meisten Schröder-Imitatoren machten ihre Sache schlecht, findet der originale Schröder, und dann ärgere er sich. „Ich muss damit leben, dass ich auch ungerecht behandelt werde – aber es bringt mich nicht um!“ Der Kanzler gestand, ein Zigarren-Paffer zu sein, riet den Kindern aber dringend vom Rauchen ab. Er führte die Arbeitslosigkeit auf den Umstand zurück, dass die Arbeit in Deutschland zu teuer sei.

Als die Fragerunde beendet ist, beginnt das Händeschütteln. Die Kinder fangen zu quietschen an; blitzschnell bildet sich eine Meute von Autogrammwütigen. Schröder lässt sich Zeit. Gerade hatte er schließlich auf die Frage, was das Wichtigste sei, das er von einem Kind gelernt habe, geantwortet: „Zuhören und Geduld haben“ – das habe er von seiner Tochter gelernt. Der sonntägliche Einsatz am Katzenklo ist übrigens eine Zusage, von der Schröder hofft, Ehefrau Doris möge sie nicht mitbekommen haben. „Sonst kann ich mich überhaupt nicht mehr drücken!“

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