Kaukasus-Krieg : Tiflis: Russland bombt weiter

Nach Angaben der Regierung in Tiflis gehen die Kampfhandlungen in Georgien weiter, obwohl Russlands Präsident Dmitri Medwedew die Einstellung der Kampfhandlungen verkündet hatte. Unterdessen äußerte US-Präsident George W. Bush harsche Kritik an dem Vorgehen Russlands.

Moskau/TiflisRussische Kampfflugzeuge haben nach georgischen Angaben trotz der von Russlands Präsident Dmitri Medwedew ausgerufenen Waffenruhe Ortschaften in Georgien angegriffen. Dies berichteten die Nachrichtenagenturen AP und Reuters. Trotz der Behauptung des russischen Präsidenten, dass der Militäreinsatz gegen Georgien gestoppt sei, bombardierten russische Kampfjets zwei georgische Ortschaften außerhalb Südossetiens, erklärte die Regierung in Tiflis.

Unterdessen haben am Dienstag in Tiflis Zehntausende gegen eine "Aggression aus Moskau" protestiert. Zu der Großdemonstration unter dem Motto "Friedlich für Georgien" vor dem Parlament in der Hauptstadt hatte Präsident Michail Saakaschwili aufgerufen. Dort verkündete er, dass Georgien die Gemeinschaft Unabhängiger Staaten (GUS) verlassen will. "Wir haben die Entscheidung gefällt: Georgien verlässt die GUS", sagte Saakaschwili bei einer Großkundgebung im Zentrum der Hauptstadt Tiflis. Die GUS ist ein von Russland geführter Staatenverbund ehemaliger Sowjetrepubliken.

Bush: Russland hat mit der Invasion begonnen

US-Präsident George W. Bush hat Moskaus Militäroffensive im Südkaukasus in scharfer Form kritisiert, den Rückzug der russischen Truppen und die Wiederherstellung des Status quo vom 6. August gefordert. Kurz nach seiner Rückkehr aus China sagte Bush am Montagabend in Washington, der Konflikt werfe "ernsthafte Fragen über Russlands Absichten in Georgien und in der Region auf". "Diese Aktionen beschädigen gravierend die Stellung Russlands in der Welt", meinte der US-Präsident.

Russland hingegen bewertet die Auseinandersetzung naturgemäß anders. Es sei eine rechtmäßige Verteidigung russischer Staatsbürger. Zudem hätten sie eine Friedensmission in Südossetien übernommen.

Die Regierung in Moskau müsse Georgiens territoriale Integrität und Souveränität respektieren, sagte Bush. "Russland hat mit der Invasion eines souveränen Nachbarstaates begonnen und bedroht eine demokratische Regierung, die vom Volk gewählt wurde." Ein solches Vorgehen sei "im 21. Jahrhundert nicht akzeptabel".

Zuvor hatte der republikanische Präsidentschaftsbewerber John McCain Russland im Südkaukasus-Konflikt "gewaltsame Aggression" vorgeworfen. "Das russische Vorgehen ist eine klare Verletzung internationalen Rechts." Auch McCains demokratischer Rivale Barack Obama verurteilte die Militäraktion, betonte jedoch: "Wir wollen mit der russischen Regierung zusammenarbeiten und Freundschaft mit dem russischen Volk." Die Rolle Russlands als "große Nation" bringe die Verantwortung mit sich, als "Kraft für den Frieden" aufzutreten, sagte der Senator aus Illinois. (ae/dpa/AFP)

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