Kaukasus-Krise : Georgiens Ex-Präsident rügt Russland und Saakaschwili

Der ehemalige Präsident Georgiens Eduard Schewardnadse beobachtet beunruhigt die Entwicklungen in der Kaukasus-Region und kritisiert seinen Nachfolger Saakaschwili, das Gleichgewicht in den Beziehungen zu Russland und den USA verloren zu haben.

Schewardnadse
Hat Erfahrung mit kalten Kriegen. Eduard Schewardnadse. -Foto: dpa

TokioMit der Anerkennung von Abchasien und Südossetien hat Russland nach Einschätzung des früheren georgischen Präsidenten Eduard Schewardnadse den eigenen Kaukasusrepubliken Argumente für ihren Unabhängigkeitskampf geliefert. Die Anerkennung der abtrünnigen georgischen Regionen durch Moskau werde zu Diskussionen über die Unabhängigkeit von Tschetschenien und Dagestan führen, sagte Schewardnadse in einem am Donnerstag veröffentlichten Interview mit der japanischen Zeitung "Asahi Shimbun". "Sie werden es bereuen", prophezeite der ehemalige sowjetische Außenminister. In der russischen Republik Tschetschenien und im benachbarten Dagestan lieferten sich die Armee und Rebellen in der Vergangenheit erbitterte Kämpfe.
 
Schewardnadse schloss sich zudem der Forderung einiger US-Parlamentarier an, wegen des Kaukasus-Konflikts Russland die Austragung der Olympischen Winterspiele 2014 im Schwarzmeerort Sotschi zu entziehen oder die Spiele zu boykottieren. "Angesichts des militärischen Konflikts bestehen mehr denn je Gründe für einen Boykott", sagte der Georgier der Zeitung. Die russische Armee war zu Beginn der Olympischen Sommerspiele in Peking Anfang August in Georgien einmarschiert, nachdem die georgische Armee eine Offensive in Südossetien gestartet hatte.
  
Seinem Nachfolger im Präsidentenamt, Michail Saakaschwili, warf Schewardnadse vor, den USA zu nahe zu stehen. "In meiner Zeit habe ich gute Beziehungen mit Russland und mit den USA aufgebaut, aber dieses Gleichgewicht ist zerbröckelt", kritisierte er. In dem jüngst ausgebrochenen Konflikt mit Russland sei Georgien der klare Verlierer. Das Land habe "praktisch seine territorialen Rechte verloren und der wirtschaftliche Schaden ist riesig", urteilte Schewardnadse. Saakaschwili hatte Schewardnadse nach der unblutigen Rosen-Revolution 2003 abgelöst. (mpr/AFP)

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