Kaukasus : Russland hebt Anti-Terror-Status für Tschetschenien auf

Zäsur für Tschetschenien: Nach mehr als zehn Jahren sieht Russland offenbar keine Terrorgefahr mehr in der kaukasischen Teilrepublik. Der Inlandgeheimdienst FSB erklärte deshalb das "Anti-Terror-Regime" für das Land für beendet.

MoskauMit der Aufhebung des kriegsähnlichen Rechts ist laut russischen Medienberichten auch der Abzug von 20.000 russischen Soldaten verbunden. Der von Moskau gestützte tschetschenische Präsident Ramsan Kadyrow sagte, damit ende ein schweres Kapitel für die Teilrepublik. Er betonte, dass die Konfliktregion im Nordkaukasus nach jahrelangen Angriffen muslimischer Rebellen heute friedlich sei. Das Ende des im Jahr 1999 eingeführten "Anti-Terror-Regimes" helfe Tschetschenien bei seiner weiteren wirtschaftlichen und sozialen Entwicklung.

Bisher stand das frühere Kriegsgebiet unter besonderer Verwaltung des russischen Inlandsgeheimdienstes FSB. Kremlchef Dmitrij Medwedjew hatte den FSB unlängst aufgefordert, diesen Status nach Möglichkeit zu beenden. Das Anti-Terror-Komitee des FSB teilte mit, seit Mitternacht sei das "Regime" in der Republik aufgehoben. Dies solle eine weitere "Normalisierung der Lage in der Region" ermöglichen.

Experten: Rebellen sind nach wie vor in der Region aktiv

Die Situation in Tschetschenien gilt seit längerem als vergleichsweise ruhig. Insbesondere die von Russland im Krieg zerstörte Hauptstadt Grosny ist größtenteils wieder aufgebaut. Kadyrow genießt in der vorwiegend muslimischen Bevölkerung ungeachtet einer Arbeitslosenquote von über 50 Prozent breite Zustimmung. Dagegen weisen einzelne russische Sicherheitsexperten darauf hin, dass Rebellen weiter Anschläge in der Region verüben. Betroffen sind auch die Nordkaukasus-Republiken Dagestan und Inguschetien.

Russlands Militär ging 1994 gegen die Unabhängigkeitsbestrebungen der Teilrepublik Tschetschenien vor, musste jedoch 1996 einen Waffenstillstand akzeptieren. Nach einer zweiten militärischen Eroberung 2000 wehrten sich die Tschetschenen jahrelang mit Guerilla-Attacken. Terroristen trugen den Kampf immer wieder auch über die Grenzen hinaus, so bei den Geiselnahmen in einem Moskauer Musical-Theater 2002 und in einer Schule in der nordossetischen Stadt Beslan 2004. Bei den Anschlägen wurden hunderte Menschen getötet. (rf/dpa)

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