KBV : Kassenärzte-Lobby streitet und bestätigt ihren Chef

Mit der Bilanz seiner bisherigen Amtszeit kann Andreas Köhler durchaus beeindrucken. Dennoch musste er um seine Wiederwahl bangen.

von
Andreas Köhler.
Andreas Köhler.Foto: dpa

Berlin - Seit sechs Jahren ist der bullige Badener Andreas Köhler Vorsitzender der Kassenärztlichen Bundesvereinigung (KBV). Und in dieser Zeit hat er den Kassen mehr Honorarsteigerung abgetrotzt als jeder seiner Vorgänger. Fünf Milliarden Euro bekamen seine rund 150.000 Vertragsärzte obendrauf – und das in der größten Wirtschaftskrise der Nachkriegszeit.

Dennoch musste Köhler am Freitag um seine Wiederwahl bangen. Bei der Vertreterversammlung in Berlin schlugen ihm keineswegs nur Dank und Wohlwollen, sondern auch eine Welle der Unzufriedenheit entgegen. Und gleich zwei Gegenkandidaten forderten einen inhaltlichen wie personellen Neuanfang.

Zum Sprachrohr der Enttäuschten machte sich schon vor dem Treffen der Chef des Hausärzteverbandes. Viele Mediziner hätten die „Schnauze voll“ vom KBV-System und seinen immer undurchschaubarer werdenden Mechanismen der Honorarverteilung, schimpfte Ulrich Weigeldt. Auch der scheidende Chef der Vertreterversammlung, Andreas Hellmann, sprach von verpassten Chancen. Der enorme Honorarzuwachs sei in Verteilungskämpfen versickert. Und eine bundeseinheitliche Entlohnung in Euro und Cent habe man nicht hinbekommen. Dies könne man aber nicht nur Köhler anlasten. Dessen Gegenkandidaten taten dies dennoch: Das Fehlen fester Preise führe zur Verramschung ärztlicher Tätigkeiten, konstatierte der Chef des Ärzteverbunds Medi, Werner Baumgärtner. Die Ärztelobby müsse sich „massiv mit Politik und Kassen anlegen“ und stärker gegen Budgetierung, Rationierung und Bürokratisierung zu Felde ziehen, forderte der Vorsitzende des NAV-Virchow-Bundes, Dirk Heinrich. Köhler versprach, sich für die Abschaffung von Budgets und Arznei-Regresspflicht einzusetzen sowie die Honorarverteilung „komplett“ zu regionalisieren. Zudem stellte er den Medizinern neues Geld in Aussicht. Den Ärztemangel auf dem Land bekomme man nicht ohne finanzielle Aufwendungen in den Griff, sagte er. Und auch die Patienten könne man stärker belasten – etwa mit einer prozentualen Beteiligung an den Behandlungskosten.

Am Ende wurden der 50-jährige Chirurg und Betriebswirt, der sein Berufsleben fast ausschließlich als Kassenarzt- Funktionär verbracht hat, wie auch sein Stellvertreter Carl-Heinz Müller für weitere sechs Jahre im Amt bestätigt. Für Heinrich „das befürchtete ,Weiter-So‘ in der ärztlichen Selbstverwaltung“.

» Gratis: Tagesspiegel + E-Magazin "Wahl 2017"

Autor

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben