Keime im Schulessen : Öffentlicher Erreger

Die Welle der Magen-Darm-Infektionen nach dem Verzehr von Essen in Schulen und Kitas scheint abzuebben. Aber verbreitete Verunsicherung bleibt. Denn noch immer ist nicht klar: Wo liegen die Ursachen?

von
Geschlossen. Am Chemnitzer Wilhelm-Andre-Gymnasium war wegen der gehäuften Fälle von Brechdurchfall am Freitag geschlossen.
Geschlossen. Am Chemnitzer Wilhelm-Andre-Gymnasium war wegen der gehäuften Fälle von Brechdurchfall am Freitag geschlossen.Foto: dapd

Erinnerungen an den Frühsommer 2011 werden wach, als Gesundheitsbehörden und Lebensmittelüberwachung fieberhaft nach dem Erreger von Ehec-Infektionen fahndeten. Innerhalb kurzer Zeit waren 2800 Menschen erkrankt, 28 starben. Weit harmloser verläuft zwar die Brechdurchfall-Infektion, die sich dieser Tage nach dem Verzehr von Essen in Schulen und Kindereinrichtungen in fünf Bundesländern ausbreitete. Zumeist klingen die Beschwerden nach wenigen Tagen wieder ab, nur wenige der betroffenen Kinder mussten in Krankenhäusern behandelt werden. Dennoch gilt höchste Alarmstufe, denn wenn die Infektion von Einrichtungen der Gemeinschaftsverpflegung ausgeht, ist die Verbreitungsgefahr besonders groß – und viele Eltern fühlen sich hochgradig verunsichert. Eine Parallele zu 2011 besteht darin, dass auch diesmal fast eine Woche nach dem Auftreten der ersten Fälle die Herkunft des Erregers noch immer unklar ist.

Wie ist der Stand der Erkrankungswelle?

Es mehren sich die Anzeichen, dass der Höhepunkt der Erkrankungswelle überschritten ist. Zwar sprach das Robert- Koch-Institut am Samstag davon, dass die bis dato erfassten 8365 Fälle der „mit Abstand größte bekannte lebensmittelbedingte Ausbruch in Deutschland“ sei. Aber die meisten Fälle hatte es am Mittwoch und Donnerstag der vergangenen Woche gegeben. Die hohe Zahl vom Freitag und Samstag ergab sich vor allem aus Nachmeldungen aus den betroffenen Bundesländern.

Nur 23 Personen mussten bislang in ein Krankenhaus eingeliefert werden. In Berlin waren es drei Patienten, von denen zwei bis zum Freitag bereits wieder entlassen werden konnten. Auch fünf Kinder, die im Brandenburger Landkreis Dahme-Spreewald im Krankenhaus behandelt werden mussten, konnten wieder nach Hause.

Während in Berlin und Brandenburg heute die Ferien beginnen, müssen die Kinder in Sachsen, Thüringen und Sachsen-Anhalt noch zwei beziehungsweise drei Wochen zur Schule gehen. In Sachsen sollen 19 vorübergehend geschlossene Schulen am Montag wieder geöffnet werden. Die Berliner Bildungsverwaltung hatte Eltern, deren Kinder eine Ferien-Hortbetreuung in Anspruch nehmen oder in die Kita gehen und deren Einrichtung von dem Catererunternehmen Sodexo beliefert wird, geraten, ihren Kindern Essen mitzugeben, falls vor Ort noch keine alternative Lösung gefunden wurde. Die Senatsverwaltung erneuerte am Sonntag ihre bereits am Freitag in Absprache mit den Gesundheits- und Verbraucherschutzbehörden ausgesprochene Empfehlung an die Kitas und Schulen, auf die Ausgabe von Essen des Anbieters Sodexo bis auf Weiteres zu verzichten, auch wenn nicht abschließend geklärt sei, ob die aufgetretenen Krankheitsfälle auf das Essen dieser Catering-Firma zurückzuführen sind.

Wo gibt es die meisten Fälle?

Mit 2800 Fällen ist Sachsen am stärksten betroffen, gefolgt von Brandenburg (2415), Berlin (2213), Thüringen (887) und Sachsen-Anhalt (50). Insgesamt gab es Brechdurchfall-Erkrankungen in 342 Schulen und Kindereinrichtungen. Das Robert-Koch-Institut will heute einen neuen Lagerbericht veröffentlichen. Auch wenn zu vermuten ist, dass nach der Entwicklung der vergangenen Tage die Zahl der neugemeldeten Fälle deutlich zurückgehen wird, mag keiner der Experten schon Entwarnung geben, solange die Ursache der Infektion noch unklar ist.

» Mehr Politik? Jetzt Tagesspiegel lesen!

21 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben