Keime im Schulessen : Öffentlicher Erreger

01.10.2012 00:00 Uhrvon

Die Welle der Magen-Darm-Infektionen nach dem Verzehr von Essen in Schulen und Kitas scheint abzuebben. Aber verbreitete Verunsicherung bleibt. Denn noch immer ist nicht klar: Wo liegen die Ursachen?

Woher könnte der Erreger kommen?

Nahezu alle Einrichtungen in den betroffenen fünf Bundesländern wurden von dem Catererunternehmen Sodexo mit Sitz in Rüsselsheim über regionale Küchen beliefert. Das bedeutet aber nicht automatisch, dass die Ursache für die Erkrankungen in diesem Unternehmen selbst liegt: Denn offenbar bekamen nicht alle betroffenen Einrichtungen ihr Essen von Sodexo. Das Unternehmen selbst verteidigt sich mit dem Hinweis darauf, dass das gleiche Essen aus ein und derselben Küche und aus den gleichen Produktionsprozessen an bis zu 80 Schulen und Kitas geliefert wurde, es aber nur in einigen Einrichtungen zu Erkrankungen gekommen sei. Denkbar ist, dass die Erreger aus Zulieferprodukten stammen, die von Sodexo verwendet wurden. Das Unternehmen will vor weiteren Stellungnahmen zunächst die Laboranalysen abwarten.

Sodexo Deutschland ist seit 50 Jahren Teil eines weltweit agierenden Dienstleistungsunternehmens, das nach eigenen Angaben mit 391 000 Mitarbeitern einen Umsatz von 16 Milliarden Euro erzielt. Sodexo Deutschland beschäftigt rund 17 200 Mitarbeiter. Auf die Kinder- und Schülerverpflegung ist das Tochterunternehmen Sodexo SCS spezialisiert. Es hat seit 1991 seinen Sitz in Dresden und verfügt über 65 Küchenstandorte mit Schwerpunkt in Ostdeutschland. Das Unternehmen stellt nach eigenen Angaben jeden Tag Mahlzeiten für mehr als 200 000 Kinder und Jugendliche in über 2000 Schulen und Kindereinrichtungen bereit.

Um welchen Erreger könnte es sich handeln?

Noch werden die Proben von Lebensmitteln wie auch von erkrankten Menschen untersucht. Die für diesen Fall eingerichtete Task Force unter Federführung des Bundesamtes für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit wertet insbesondere Speisepläne und Einkaufslisten aus, befragt Kantinenmitarbeiter, verfolgt Waren- und Lieferströme möglicherweise betroffener Lebensmittel zurück und wertet Analysen hunderter Lebensmittelproben aus. Untersuchungsgegenstand sind sogenannte Rückstellproben, also Reste von Lebensmitteln, die Großküchen speziell für solche Fälle eine Zeit lang aufbewahren müssen. Weil einige Laboranalysen sehr zeitaufwändig sind, liegen verlässliche Ergebnisse erst nach bis zu vier Tagen vor. Im Mittelpunkt der Untersuchungen stehen zwischen Dienstag und Freitag der vergangenen Woche angebotene Mahlzeiten. Derzeit geht diese Expertengruppe von der Annahme aus, dass der Ausbruch nur durch e i n kontaminiertes Lebensmittel beziehungsweise e i n e Charge einer Lieferung ausgelöst wurde, wie das Ministerium am Sonntag mitteilte.

Das Robert-Koch-Institut zog am Wochenende sowohl ein Norovirus als auch Gifte von toxinbildenden Bakterien in Betracht. Mittlerweile wurde in Sachsen und Thüringen in einigen Fällen das Norovirus als Erreger nachgewiesen. Es ruft beim Infizierten Durchfall und Erbrechen hervor, er leidet unter Schmerzen, Übelkeit und Fieber. Doch die Experten wollen sich nicht festlegen auf Noroviren als alleinige Übeltäter: Da diese Erreger hochgradig ansteckend sind, müsste es normalerweise im Umfeld der Erkrankten viele weitere Krankheitsfälle geben. Das ist aber hier nicht der Fall. Deshalb ist nicht auszuschließen, dass die Norovirus-Fälle ganz „normale“ Befunde sind, wie sie jedes Jahr vorkommen. Im Jahr 2011 etwa waren 14 gemeldete Norovirus-Fälle zweithäufigste lebensmittelbedingte Infektionsursache nach Salmonellen-Erkrankungen. Es könnten also auch bakterielle Erreger im Spiel sein. In Thüringen wurde zumindest in zwei Laborproben die Bakterienart Bacillus cereus nachgewiesen. Sie bildet Gifte, die hitzebeständig sind. Die Labore der Lebensmittelüberwachung sind deshalb angewiesen, sowohl nach Noroviren als auch nach bestimmten Toxinen zu suchen, die von Bakterien gebildet werden.

Wie sollte man sich bei akutem Brechdurchfall verhalten?

Um den Verlust von Flüssigkeit und Salzen (Elektrolyten) auszugleichen und eine Austrocknung des Körpers zu vermeiden, sollte der Betroffene viel trinken, am besten zucker- und elektrolythaltige Getränke. Und man kann mal richtig bei Salzgebäck zulangen. Es versteht sich von selbst, dass bei einer infektiösen Gastroenteritis eine sorgfältige Sanitärhygiene, vor allem intensives Händewaschen, noch wichtiger als sonst ist. Bis zu 48 Stunden nach dem letzten Durchfall oder Erbrechen kann noch Ansteckungsgefahr bestehen. Kinder unter 6 Jahren sollten erst zwei Tage nach dem Abklingen der Beschwerden die Gemeinschaftseinrichtung wieder besuchen. Ebenso lang sollten erkrankte Personen warten, die in Lebensmittelberufen tätig sind.

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