Politik : Kein Anschluss unter Marwans Nummer

Frank Jansen

Otto Schily stellt sich vor die CIA. Vorwürfe, der amerikanische Geheimdienst habe 1999 einen Hinweis deutscher Kollegen auf einen der späteren Attentäter des 11. September 2001 nicht ernst genommen, hat der Bundesinnenminister bei seinem Besuch in den USA zurückgewiesen. Sicherheitsexperten hatten der CIA den Vornamen „Marwan“ und eine Telefonnummer aus den Vereinigten Arabischen Emiraten übermittelt, wegen des Verdachts auf Al-Qaida-Kontakte.

Marwan al Shehhi hatte in Hamburg studiert und steuerte dann als Selbstmordpilot eine entführte Passagiermaschine in den Südturm des World Trade Centers. Die „New York Times“ hatte geschrieben, die CIA habe es versäumt, dem deutschen Hinweis „aggressiv genug“ nachzugehen.

Diesen Vorwurf hält Schily für unberechtigt, weil die Information „nicht sehr aussagefähig“ gewesen sei. Auch CIA-Chef George Tenet sagt, der Hinweis aus der Bundesrepublik sei zu ungenau gewesen. Das sehen deutsche Sicherheitskreise genauso. „Marwan“ sei in arabischen Ländern ein typischer Vorname wie „Hans“ in Deutschland. Außerdem habe man die Telefonnummer nicht „verifizieren“ können. Die Information sei mit dem üblichen „Schwung von Nachrichten“ im Routineaustausch an die CIA übermittelt worden.

Offenbar kamen die deutschen Behörden an „Marwan“ und die Telefonnummer, als sie sich Ende der neunziger Jahre mit dem in Hamburg lebenden, gebürtigen Syrer Mohammad Haydar Zammar befassten. Der einstige Bosnien-Kämpfer soll Marwan al Shehhi und weitere Mitglieder der Gruppe um Mohammed Atta an Al Qaida herangeführt haben. 1999 bekamen die Behörden mit, dass Zammar Kontakte zu Atta unterhielt – aber nicht, dass Atta und seine Gruppe einen monströsen Anschlag planten. Zammar setzte sich im Oktober 2001 nach Marokko ab, wurde dort festgenommen und kam dann auf mysteriöse Weise in ein Gefängnis in Syrien.

» Gratis: Tagesspiegel + E-Magazin "Wahl 2017"

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben