Politik : …kein Außerirdischer kommt

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Es ist verdächtig ruhig gewesen draußen im All seit dem 16. November 1974. Ab und an mal eine fliegende Untertasse, ein paar Lichter am Horizont, ein Zischen über der Wüste in New Mexico – das war alles. Und auch die AreciboBotschaft selbst ist in Vergessenheit geraten, die meisten von uns werden sie für ein Rezept zum Rösten von Schonkaffee halten oder für ein in Bonn vergessenes mittelamerikanisches Konsulat. Dabei ist sie die Welt in einer Nussschale: ein Funksignal von knapp drei Minuten Länge, das heute vor exakt 30 Jahren in Richtung des Kugelsternhaufens Messier 13 im Sternbild Herkules geschickt wurde, um sich bei den Außerirdischen ein wenig anzubiedern. Hey! hieß die Botschaft, sympathische Einsiedler, 1,80 groß, genetisch durchgecheckt, auf beiden Beinen im Leben stehend, mit Grundkenntnissen der Funk- und Computertechnik, suchen Brieffreunde, gern auch im benachbarten Sternensystem. Antworten hat es bisher nicht gegeben, der Mensch scheint ein intergalaktisches Mauerblümchen zu bleiben; allerdings ist auch der Einwand nicht von der Hand zu weisen, dass das Signal bis nach Messier 13 noch gut 22000 Lichtjahre unterwegs ist.

Doch selbst wenn es dort ankommt, bleibt ein kleines Problem. Zehn Bits pro Sekunde, 1679 Bits insgesamt, zusammen ein paar Bildsymbole leicht infantiler Ausstrahlung – ein solches Signal würde ja, sollte es umgekehrt uns erreichen, ohne Umschweife an den EDV-Kindergarten weitergereicht werden, sofern die Technik zu seiner Entschlüsselung überhaupt noch existiert.

Weltraumstatistiker sagen: egal. Irgendwann schlägt die Botschaft irgendwo ein, wird dechiffriert und löst Aktionen aus, Antworten beispielsweise, die dann wieder 22000 Lichtjahre unterwegs sind, um bei uns nicht mehr verstanden zu werden. Was immer noch besser wäre als die Ankunft schleimiger Aliens, die aus der Arecibo-Datei nur herausgelesen haben, dass es auf der Erde leckere Gourmet-DNS auf zwei Beinen gibt.

War der Inhalt der 1679 Bits richtig gewählt? Und wenn nein – was müssten wir heute ins All schicken, wenn das Experiment wiederholt würde? Es gibt wohl nur eine Sprache, die intergalaktisch verstanden wird, und das ist der Fußball. Eine DVD von Goleo, dem WM-Löwenmaskottchen, und seinem Freund Pille, das wäre eine Botschaft voll touristischer Anziehungskraft. „Cooler Typ!" würden sie im All sagen, „sieht aus wie wir. Und sprechende Bälle!" Im Hyperraum ließe sich Deutschland bis 2006 leicht erreichen. Wenn die Außerirdischen dann allerdings mitkriegen, dass unsere Bälle in Wirklichkeit komplett taubstumm sind, könnte es ein wenig Ärger geben.bm

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