Kein Ende des Bürgerkriegs : Bislang Blutigster Monat in Syrien

Nie starben in Syrien mehr Menschen als im Juli. Das Regime in Damaskus bittet Moskau um Geld.

Verzweifelt. Ein Mitglied der Freien Syrischen Armee trauert um einen Freund.
Verzweifelt. Ein Mitglied der Freien Syrischen Armee trauert um einen Freund.Foto: Reuters

Ungeachtet einer Resolution der UN-Vollversammlung gehen die Gefechte in Syrien mit unverminderter Härte weiter. In Aleppo griffen Rebellen das Gebäude des Staatsfernsehens an, für die kommenden Tage erwarten sie nun eine Offensive der Armee. Der syrische Vize- Regierungschef Kadri Dschamil bat derweil in Russland um Wirtschafts- und Finanzhilfe, um die Auswirkungen der westlichen Sanktionen abzumildern.

In Moskau sagte Dschamil, beide Seiten hätten sich auf russische Erdgas- und Öllieferungen an Syrien geeinigt. Außerdem gebe es Verhandlungen über die Gewährung eines Kredits für Syrien. Zur Beilegung der Krise sei ein politischer Dialog erforderlich.

Der Angriff auf das Gebäude des Staatsfernsehens in Aleppo erfolgte in der Nacht zu Samstag. Rings um das Haus hätten Rebellen Sprengsätze angebracht, seien dann aber bei dem Versuch, das Gebäude zu stürmen, von der syrischen Luftwaffe beschossen worden, teilte die im Ausland ansässige Syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte mit. Daraufhin hätten sich die Rebellen, die nach eigenen Angaben die Hälfte der Millionenstadt kontrollieren, zurückgezogen. Die amtliche Nachrichtenagentur Sana bestätigte den Angriff auf das Gebäude und berichtete von „Terroristen, die Zivilisten und das Gebäude angegriffen“ hätten.

Die Rebellen richten sich auf eine mögliche Entscheidungsschlacht um die Millionenstadt Aleppo ein. Es gebe Informationen über eine großangelegte Armeeoffensive in den kommenden Tagen, sagte der Kommandeur Abdel-Jabbar al Okaidi. Nach seiner Einschätzung planten die Streitkräfte, mehrere Tage lang mit Panzern und aus der Luft anzugreifen, um die für den Verlauf des Bürgerkrieges auch symbolisch wichtige Stadt wieder unter ihre Kontrolle zu bringen.

Nach Informationen der iranischen Botschaft in Damaskus wurden in Syriens Hauptstadt 48 Pilger aus dem Iran entführt. Sie seien auf dem Weg zum internationalen Flughafen von einer „bewaffneten terroristischen Gruppe“ verschleppt worden. Der Schrein der Sajjida Zeinab in Damaskus ist ein beliebter Wallfahrtsort für Pilger aus dem schiitischen Iran. Das Mullah-Regime in Teheran gilt als wichtigster Verbündeter des Regimes von Baschar al Assad.

Die Vollversammlung der Vereinten Nationen hatte dem UN-Sicherheitsrat am Freitag Versagen im Syrienkonflikt vorgeworfen und den Einsatz schwerer Waffen durch die Regierung in Damaskus verurteilt. Laut der Beobachtungsstelle wurden in Syrien im Juli die meisten Menschen seit mehr als einem Jahr getötet: mindestens 4239, darunter 3001 Zivilisten, 1133 Soldaten und 105 Deserteure.

(rtr/AFP)

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