Politik : …kein Geld glücklich macht

-

Denzel Washington, der Schauspieler, klagt, dass er nicht mehr für seinen Job motiviert sei. Er kriegt zu viel Geld. 20 Millionen Dollar allein für seinen letzten Film, „Out of time“. Wahrscheinlich hat er mit dem vielen Geld auf dem Konto das Gefühl, nicht mehr arbeiten zu müssen und genug geleistet zu haben im Leben, Lottogewinner können das Gefühl möglicherweise nachvollziehen. Dabei ist ihm die Lust auf Arbeit vergangen.

Was nun die EinEuro-Jobs angeht, liegen ebenfalls erste Zahlen vor. Die Nachfrage ist so groß, dass drei Bewerber auf eine Stelle drängen. Die Ein-Euro-Jobber geben an, dass sie glücklich sind. In der „Bild“ wurden sie schon dafür gestreichelt. Sie heißen dort Ein-Euro-Engel, weil sie sich um alte Menschen kümmern, für Kinder kochen, Zäune reparieren und Laub sammeln.

Erstaunlicherweise besteht zwischen dem Schauspieler und den Ein-Euro-Jobbern eine Gemeinsamkeit: Hier wie da besteht ein Missverhältnis zwischen Leistung und Entgelt. Denzel Washington bekommt absurd viel für seine Arbeit, die Ein-Euro-Engel bekommen absurd wenig. Und wer hat mehr davon? Der Mann, der das große Los gezogen hat, schaut miesepetrig aus der Wäsche. Die mit den Nieten und den Trostpreisen strahlen. Weil ihr Tag wieder eine Struktur hat und sie einen Wert haben.

Man kann nun auf Erik Cole schauen, 25 Jahre alt, Eishockeyprofi aus den USA. Dort wird zur Zeit kein Eishockey gespielt, die Klubs haben ihre Spieler ausgesperrt. Cole bekommt normalerweise 1,5 Millionen Dollar im Jahr, ausgesperrt und auf der faulen Haut würde ihm die Spielergewerkschaft im nächsten halben Jahr etwa 300 000 Dollar überweisen. Cole spielt jetzt stattdessen ein Jahr in Berlin Eishockey, für nur 200000 Euro. Das ist Hartz IV auf höchstem Niveau. Eishockeyprofis müssen nicht mit dem Cent rechnen, die haben die Möglichkeit, ein bisschen zu verzichten. Oder muss man auch in diesen Sphären die Frage stellen, was glücklicher macht: Geld oder Arbeit?

Heute ist der Tag, an dem bei VW die womöglich entscheidenden Tarifverhandlungen beginnen. Erik Cole könnte dabei als Vorbild gelten. Für die Arbeitgeberseite zum Beispiel für seine Haltung, der Einbindung in einen Arbeitsprozess mehr Wert zuzumessen als der Höhe seiner Einkünfte.

Wenn dann aber die Arbeitnehmerseite sagt, okay, nehmen wir ihn als Vorbild auch in der Gehaltshöhe, ist das der Arbeitgeberseite garantiert nicht recht. uem

» Gratis: Tagesspiegel + E-Magazin "Wahl 2017"

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben