Politik : Kein Halali mehr im Saupark Niedersachsen beendet Tradition der Staatsjagden

Hannover - Mit einer Treibjagd auf Hirsche, Rehe und Wildschweine wollte Niedersachsens vormaliger Umweltminister Hans-Heinrich Sander Ende 2011 seinen offiziellen Abschied aus der Politik in Szene setzen. Der FDP-Mann hatte dazu Landtagsabgeordnete und andere prominente Gäste eingeladen und dies auch öffentlich kundgetan. Kaum war das Vorhaben bekannt, hagelte es Kritik. Die Grünen, in Hannover damals noch Oppositionspartei, monierten die „feudalistischen Eskapaden“. Und unbekannte Jagdgegner hefteten Zettel mit dem Kopf von Sander und einer aufgemalten Blutspur an Fichten. Unter dem Eindruck der Proteste sagte der Minister die Veranstaltung schließlich ab.

Nach dem Willen der seit Februar amtierenden rot-grünen Landesregierung soll mit den sogenannten Staatsjagden nun dauerhaft Schluss sein. Es werde ab diesem Jahr keine vom Land veranstalteten Jagden mit prominenten Gästen mehr geben, teilte das Landwirtschaftsministerium gestern mit. Agrarminister Christian Meyer (Grüne) sagte, diese auf „hochherrschaftlichen Riten aus der Kaiserzeit“ beruhende Jagd des jeweiligen Landesherrn sei überholt und passe nicht mehr in die Zeit. Aus anderen Bundesländern ist diese Praxis nicht bekannt.

Auch die Niedersachsen hatte das Thema bis zu der Sander-Episode einigermaßen unberührt gelassen – wenn sie denn überhaupt davon erfuhren. Seit Anfang der 1980er Jahre, unterbrochen nur von der Regentschaft Gerhard Schröders (1990 bis 1998), luden die niedersächsischen Ministerpräsidenten einmal jährlich Promis und Honoratioren zu solchen Staatsjagden. Außerdem gab es jährliche Treibjagden auf Einladung der jeweiligen Landwirtschaftsminister.

Schauplatz war stets der Saupark Springe. Das rund 14 Quadratkilometer große und – einmalig in Norddeutschland – durchgängig von einer zwei Meter hohen Mauer umfriedete Wildgehege war schon Hofjagdgebiet der Könige von Hannover und später der deutschen Kaiser. Jeweils rund 60 bis 70 Schützen seien zugegen gewesen, sagte der Sprecher des Landwirtschaftsministeriums, Klaus Jongebloed, dem Tagesspiegel, „dazu dann noch die Treiber und Hundeführer“. Nach vollbrachter Strecke wurden die Teilnehmer mit einem fürstlichen Abendessen bewirtet und mit Trophäen ausgezeichnet – alles auf Staatskosten. Diese Ausgaben wolle man sich künftig ebenso sparen wie die Jagd durch Ehrengäste, die oft keinen oder wenig jagdlichen Hintergrund hätten, sagte Minister Meyer.

Als Affront gegen das Jagdwesen als solches will er seine Initiative aber nicht verstanden wissen. Die Würdigung der Jagd sowie der Jägerinnen und Jäger könnte indes anders erfolgen als durch eine fragwürdige Staatsjagd. „Wir stehen zu einer naturnahen Jagd und mehr Waidgerechtigkeit“, erklärte Meyer. Auch will er sich dafür einsetzen, dass bei der Jagd künftig ausschließlich bleifreie Munition verwendet wird. Eine Änderung des Jagdgesetzes werde ebenfalls vorbereitet. „Wir haben dafür kein fertiges Konzept, sondern setzen auf den Dialog mit den Jägern, Kommunen und Tierschutz- und Umweltverbänden.“ Nachdem der Grüne in Hannover das Amt des Landwirtschaftsministers übernommen hatte, waren die Befürchtungen von Landnutzern und Jägern zunächst groß, dass die Jagd im wald- und wildreichen Niedersachsen stark eingeschränkt werden könnte. Reimar Paul

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