Politik : Kein Kontakt mehr zu Shelter-Now-Leuten

Die Bundesregierung hat nach Angaben des Auswärtigen Amts seit zwei Wochen keinen Kontakt mehr zu den in Afghanistan festgehaltenen Mitarbeitern der Hilfsorganisation Shelter Now. Man bemühe sich intensiv darum, die Verbindung wiederherzustellen, sagte Ministeriumssprecher Andreas Michaelis am Mittwoch in Berlin. Über eine Freilassung der Gefangenen hat Libyen nach eigenen Angaben mit dem Taliban-Regime verhandelt. Diese Kontakte seien mittlerweile ausgesetzt, hieß es.

Der Sohn des libyschen Staatschefs, Saif Al-Islam Gaddafi, der schon voriges Jahr bei der Freilassung westlicher Geiseln auf der Philippinen-Insel Jolo eine Schlüsselrolle gespielt hatte, war am Dienstag in Berlin mit Kanzleramtschef Frank-Walter Steinmeier zusammengetroffen. Der Tagesspiegel hatte Gaddafis Sohn mit den Worten zitiert, die Taliban hätten bereits vor den Terroranschlägen vom 11. September um Vermittlung gebeten. Diese Gespräche seien auch nach den amerikanischen Luftangriffen fortgesetzt worden. Ein Sprecher der Gaddafi-Stifung in Tripolis bestätigte, dass mit den Taliban verhandelt werde.

Die EU-Kommission hat sich unterdessen gegen die Abwürfe von Hilfsgütern über Afghanistan ausgesprochen. Auch ein hoher Funktionär der Vereinten Nationen fordert ihre Einstellung. Die Aktion zerstöre die Glaubwürdigkeit humanitärer Hilfe, sagte der Berichterstatter für Ernährungshilfe bei der UN-Menschenrechtskommission, Jean Ziegler, am Dienstag in New York. Auch EU-Kommissar Poul Nielson hält den Einsatz vor Ort für die beste Methode, um den Menschen zu helfen. Nielson räumte vor dem Europaparlament ein, dass die Bedingungen extrem schwierig seien und es an einem offenen Zugang nach Afghanistan mangele.

Nach einer am Mittwoch veröffentlichten Übersicht haben Großbritannien, Frankreich und die Niederlande bislang am meisten Geld für die Afghanistan-Hilfe zur Verfügung gestellt. Großbritannien gab bisher umgerechnet rund 113 Millionen Mark, Frankreich 68 Millionen Mark und die Niederlande rund 62 Millionen Mark.

Der pakistanische Präsident Pervez Musharraf hat eine "gezieltere" Ausrichtung der US-Angriffe auf Afghanistan gefordert. Der Militäreinsatz müsse gezielter ablaufen und so schnell wie möglich zuende gebracht werden, sagte Musharraf am Mittwoch bei einem Besuch in der Türkei. Opfer unter der Zivilbevölkerung müssten verhindert werden. Musharraf forderte erneut eine Unterbrechung der Angriffe während des moslemischen Fastenmonats Ramadan.

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