Politik : „Kein Plan – nur Chaos bei den Mullahs“

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Wie ernst ist es Iran, sich im Atomstreit mit dem Westen zu einigen? Sehr ernst, glaubt der iranische Professor Pirouz Mojtahedzadeh, der jährlich vier Monate in Teheran unterrichtet und in London ein Forschungsinstitut betreibt. Der Westen überschätze Iran und vermute hinter jeder Äußerung „einen großen Plan“, wo in Wirklichkeit nur „Chaos“ regiere, sagte er dem Tagesspiegel.

Der eloquente Mojtahedzadeh ist sich sicher, dass Iran einen Deal akzeptieren wird. Den Europäern rät er, sich nicht vom „Krach“ , den einige Hardliner im iranischen Parlament aufführten, verunsichern zu lassen. „Wir hatten immer ein paar Verrückte , in deren Augen Iran keine Beziehungen zu irgendeinem Land außer Palästina haben sollte.“ Der Versuch einiger Abgeordneter, die Regierung per Gesetz zur Aufkündigung des Vertrages zur Nichtverbreitung von Atomwaffen zu zwingen, sei ohnehin gescheitert und könne die Führung nicht zur Änderung ihrer Position zwingen. „Der Westen weiß nichts über die Islamische Republik und agiert auf der Basis von Vermutungen , das ist tragisch.“ Allerdings wirft der als scharfer Kritiker des iranischen Außenministeriums bekannte Mojtahedzadeh der iranischen Diplomatie große „Schwächen“ vor. „Wieso schlagen wir, ohne dass wir gefragt werden, eine freiwillige Unterbrechung der Urananreicherung vor?“, fragt er. „Und warum erklärt der Sprecher des Außenministeriums, die Garantien, zu denen sich die Europäer verpflichtet haben, seien nur moralischer Natur ?“ Damit nehme man ohne Zwang Druck von der anderen Seite. „Das ist es, was die Hardliner und auch mich aufschreien lässt.“ Ebenso wie viele Hardliner in der Atomfrage hofft er zudem, dass die Teheraner Führung nicht grundsätzlich auf das Recht zur Urananreicherung verzichten wird. „Das ist unsere rote Linie .“ an

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