Politik : Kein Privatjet für Lafontaine

Der Spitzenkandidat sagt eine Medienveranstaltung ab, weil ihm die Anreise aus Mallorca zu unbequem ist

Stephan Haselberger

Berlin - Der frühere SPD-Vorsitzende und heutige Spitzenkandidat der Linkspartei, Oskar Lafontaine, hat den Flug mit einem Privatjet von seiner Ferieninsel Mallorca nach Deutschland und wieder zurück zur Bedingung für die Teilnahme an einem Leser-Forum der „Bild am Sonntag“ gemacht. Der Flug hätte nach Tagesspiegel-Informationen 17 500 Euro gekostet.

Einen regulären Hin- und Rückflug lehnte er ab, obwohl die Zeitung ihn von einem Fahrer am Flughafen hätte abholen lassen. So kam es für ihn beispielsweise nicht in Frage, am Morgen von Palma de Mallorca nach Luxemburg und am Abend von Stuttgart zurückzufliegen. Das Blatt aus dem Springer-Verlag verzichtete daraufhin auf Lafontaines Teilnahme und druckte in seiner letzten Ausgabe ein Gespräch mit Gregor Gysi.

Nach Rücksprache mit Lafontaine erklärte der Sprecher der Linkspartei, Hendrik Thalheim, dieser bestreite, einen Privatjet gefordert zu haben. Die „Bild am Sonntag“ habe ihm angeboten, sich um die Reise zu kümmern. Als klar gewesen sei, dass ein zeitlich zumutbarer Flug mit einem hohen finanziellen Aufwand verbunden sei, habe die Zeitung ihr Angebot wieder zurückgezogen.

Lafontaine soll als „Bild“-Kolumnist noch immer über einen gut dotierten Autoren-Vertrag mit dem Springer-Verlag verfügen, verfasst aber keine Texte mehr. Lafontaine selbst war am Montag für eine Stellungnahme nicht zu erreichen. Seine Saarbrücker Mitarbeiterin Katja Groeber verwies auf Linkspartei-Sprecher Thalheim. Der warnte vor einer „Sozialneid“-Kampagne und erklärte, seines Wissens nach habe es „Probleme mit der Fliegerei gegeben, die den Aufwand extrem groß gemacht hätten“. Auch gebe es „keine Pflicht“, an Leser-Foren teilzunehmen. „Gysi hat das gut gemacht, damit ist das Thema für uns durch.“

Ein PDS-Stratege, der nicht namentlich zitiert werden wollte, sagte zu dem Vorgang: „So etwas würde Gysi nie machen, da hat er ein ausgeprägtes Gespür für ungerechtfertigte Privilegien.“ SPD und Grüne reagierten mit Kritik. Der stellvertretende SPD-Vorsitzende Wolfgang Thierse sagte dem Tagesspiegel, die Glaubwürdigkeit der PDS leide dort, wo sie regiere, ohnehin am Widerspruch zwischen markigen Worten und pragmatischem Handeln. „Mit Lafontaine kommt der Widerspruch zwischen öffentlichem Reden und individuellem, privatem Handeln hinzu. Sein Feilschen um Privilegien ist mir unbegreiflich.“ Grünen-Wahlkampfmanager Fritz Kuhn sagte: „Das ist abgehobene, elitäre Luxus-Allüre. Mit Links hat das nichts zu tun.“

Vor Gysi hatten sich Verbraucherschutzministerin Renate Künast (Grüne) und Bundeskanzler Gerhard Schröder (SPD) den Foren des Boulevardblattes gestellt. Den gemeinsamen Auftritt von Gysi und Lafontaine, der dann nicht zu Stande kam, hatte die „Bild am Sonntag“ schon vor Wochen ihren Lesern avisiert. „Bild am Sonntag“-Chefredakteur Claus Strunz sagte dem Tagesspiegel: „Wir hätten gerne beide Spitzenkandidaten mit dem Souverän, also unseren Lesern, ins Gespräch gebracht. So war es geplant und im Blatt angekündigt. Ich bedauere, dass dies mit Oskar Lafontaine wegen Terminschwierigkeiten nicht möglich war.“

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