Kein reines Kinderspiel : Kinderbetreuung in Deutschland ist mangelhaft

Ab 2013 haben Eltern einen Rechtsanspruch auf einen Betreuungsplatz für Ein- bis Dreijährige. Doch noch immer fehlt es an Investitionen und Erzieherinnen. Den Kommunen und Gemeinden drohen deshalb massive Klagen.

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Die Absicht ist gut. Im Jahr 2007 hatten sich Bund, Länder und Gemeinden darauf verständigt, bis 2013 für etwa jedes dritte Kind unter drei Jahren einen Betreuungsplatz in einer Kita oder bei einer Tagesmutter zu schaffen. Foto: Patrick Pleul/dpa
Die Absicht ist gut. Im Jahr 2007 hatten sich Bund, Länder und Gemeinden darauf verständigt, bis 2013 für etwa jedes dritte Kind...Foto: dpa

Berlin - Der Ausbau der Kinderbetreuung in Deutschland kommt zu langsam voran. Von August 2013 an haben Eltern einen Rechtsanspruch für ihre ein- bis dreijährigen Kinder. Doch bundesweit fehlen derzeit nach Schätzungen noch mehr als 200 000 Betreuungsplätze und bis zu 20 000 Erzieherinnen – vor allem im Westen. Die Kommunen fordern daher mehr Tempo beim Kita-Ausbau. „Der Rechtsanspruch auf Betreuung für unter Dreijährige ab Sommer 2013 ist noch lange nicht gesichert“, sagte der Hauptgeschäftsführer des Deutschen Städtetags, Stephan Articus, dem Tagesspiegel.

Im Jahr 2007 hatten sich Bund, Länder und Gemeinden darauf verständigt, bis 2013 für etwa jedes dritte Kind unter drei Jahren einen Betreuungsplatz in einer Kita oder bei einer Tagesmutter zu schaffen. Insgesamt sollen dann 750 000 Plätze zur Verfügung stehen. Im März 2011 wurden nach Angaben des Statistischen Bundesamts erst 517 000 Kinder ganztags betreut, das entspricht einer Quote von gut 25 Prozent. Hinzu kommt: Laut einer Studie der Technischen Universität Dortmund und des Deutschen Jugendinstituts fehlen etwa 20 000 Erzieherinnen für die Betreuung der Kinder.

Auch der Städte- und Gemeindebund hält noch „erhebliche Anstrengungen“ für notwendig. „Die Zeit läuft uns davon“, sagte Hauptgeschäftsführer Gerd Landsberg dem Tagesspiegel. „Wenn wir nicht schneller vorankommen, dann drohen den Kommunen massive Klagen. Auch Bund und Länder müssen ein Interesse daran haben, das zu verhindern.“ Der Kieler Oberbürgermeister Thorsten Albig (SPD) erwartet, dass Väter oder Mütter, die keinen Betreuungsplatz bekommen, auf Ersatz jenes Gehalts klagen, das ihnen wegen der persönlichen Betreuung ihres Kindes entgehe. Dies könne insgesamt sehr teuer werden, sagt Albig, SPD-Spitzenkandidat bei der Landtagswahl in Schleswig-Holstein.

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