Kein Rücktritt des Außenministers : Guido gegen den Rest der Welt

Es ist der erste öffentliche Auftritt nachdem die Kanzlerin ihn düpierte, die eigene Partei sich von ihm distanzierte. Doch Guido Westerwelle reagiert nach dem immer gleichen Muster: Ich gegen den Rest der Welt.

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Karikatur: Klaus Stuttmann
16.01.2011 11:28

Nein, Guido Westerwelles Gefühle, seine Schwäche womöglich, soll in diesem Moment niemand erkennen. Ein Lächeln hat der deutsche Außenminister aufgesetzt, ein besonders breites Lächeln, als er am Montagmorgen neben seinem französischen Amtskollegen Alain Juppé durch den Mittelgang des Weltsaals im Auswärtigen Amt (AA) schreitet. Sehr aufrecht schreitet und den Gast zu seinem Platz in der ersten Reihe führt.

Das Lächeln wirkt, als wolle der Politiker den deutschen und internationalen Diplomaten im Saal, den Journalisten und Bundestagsabgeordneten und dem politischen Betrieb sagen: Ihr kriegt mich nicht klein! Deshalb soll es von der Botschafterkonferenz, die Westerwelle gerade eröffnet, nur Fotos und Filmaufnahmen eines Außenministers geben, der nicht etwa nachdenklich oder gar geknickt wirkt, sondern der sich gut gelaunt präsentiert. So gut gelaunt, als wäre dieser Tag ein Höhepunkt in seiner politischen Karriere.

Jeder im Saal weiß natürlich, dass das Gegenteil wahr ist. Es ist der erste öffentliche Auftritt Westerwelles nach dem Wochenende, an dem ihn die Kanzlerin düpierte, die eigene Parteiführung sich von ihm distanzierte und nun auch noch wissen lässt, dass sie ihn allenfalls noch als Minister auf Bewährung duldet.

Dass der deutsche Chefdiplomat den Sieg der libyschen Rebellen als Erfolg deutscher Friedenspolitik verkaufte und zur offensichtlichen Wirkung der Militärintervention eisern schwieg, machte ihn umso angreifbarer, je länger er diesen Kurs verteidigte. Nicht nur die Leitartikler vieler Zeitungen fielen über ihn her, auch viele Koalitionsabgeordnete verzweifelten vor so viel Rechthaberei. „Das ist das gleiche Muster, nach dem er es immer gemacht hat, und das heißt: Ich gegen den Rest der Welt“, erläutert ein langjähriger Weggefährte dieses Verhalten: „Das hat er auch schon in der Möllemann-Affäre so gemacht.“ Erst als der Druck ihn aus dem Amt zu treiben drohte, lenkte Guido Westerwelle in einem Zeitungsbeitrag am Sonntag ein.

Lesen Sie auf Seite 2, wie Westerwelle versucht, sich noch einmal kämpferisch zu geben.

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